Japan auf 4 Rädern – alleine mit dem Rollstuhl durch Japan

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Allein mit dem Rollstuhl durch Japan – ein persönlicher Reisebericht mit vielen Erfahrungen, praktischen Tipps, Überraschungen und unvergesslichen Begegnungen. Und mit meiner ganz persönlichen Antwort auf die Frage: Wie barrierefrei ist Japan wirklich?

Inhaltsverzeichnis

🎵 Musik zur Reise (optional) Wenn du möchtest, starte die Musik und begleite mich auf meiner Reise durch Japan.

Japan hat mich schon bei meiner ersten Reise fasziniert. Seitdem stand für mich fest: Irgendwann musst du noch einmal dorthin zurück.

Nun war es endlich so weit.

Diese Reise habe ich komplett selbst geplant – von den Hotels über die Zugtickets bis hin zu den einzelnen Ausflügen. Natürlich lief nicht immer alles nach Plan, aber genau das macht eine Reise am Ende erst spannend.

In diesem Blog möchte ich Euch mitnehmen auf mein Abenteuer durch Japan. Auf vier Rädern, mit vielen Eindrücken, Begegnungen und Geschichten, die ich so schnell nicht vergessen werde.

📷 Foto: Abflug in Frankfurt

Die Reise startet am 03.05. in Frankfurt – Main und endet am 22.05.2026 in Tokio mit dem Rückflug.

Mein Plan war eigentlich ganz einfach: Vier Tage Tokio, danach mit dem Shinkansen für 10 Tage nach Osaka. Von dort aus wollte ich Nara und Himeji erkunden, bevor es wieder für die restlichen 5 Tage zurück nach Tokio ging.

Bei der Hotelauswahl habe ich bewusst darauf geachtet, nicht mitten in den touristischen Zentren zu wohnen. Stattdessen entschied ich mich für ruhigere Geschäftsviertel. Abends wollte ich entspannen, in Ruhe essen gehen und die kleinen Restaurants und Konbinis in der Nachbarschaft entdecken.

Für die Anreise wählte ich einen Direktflug ab Frankfurt. Zwölfeinhalb Stunden Flugzeit – eine lange Zeit, aber die Vorfreude war größer als jede Müdigkeit.

Auch als Rollstuhlfahrer funktionierte die Reise erstaunlich gut. Die Lufthansa bietet auf Langstreckenflügen die Möglichkeit, zwei Toiletten zu einer größeren Einheit zusammenzulegen.

Mit dem schmalen Bordrollstuhl wird man dann von der Crew zur Toilette gebracht. Beim ersten Mal ist das schon ein seltsames Gefühl, aber die Mitarbeiter waren unglaublich freundlich und professionell.

Je näher die Landung rückte, desto größer wurde die Vorfreude.

Nach all den Monaten der Planung konnte das Abenteuer endlich beginnen.

3. Mai – Willkommen in Tokio!

Nach über zwölf Stunden Flug setzte die Maschine pünktlich in Tokio-Haneda auf.

Alles hatte wunderbar funktioniert.

Direkt am Gate wartete bereits ein Mitarbeiter auf mich, der mich mit dem Rollstuhl durch den Flughafen begleiten sollte.

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Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner beeindruckte mich vom ersten Moment an.

Doch bevor ich überhaupt richtig angekommen war, erwartete mich bereits die erste Überraschung.

Direkt nach dem Aussteigen stand plötzlich eine riesige Godzilla-Statue vor mir.

Drei Meter hoch, das Maul weit aufgerissen und die Klauen ausgestreckt.

Ein gewaltiger Anblick.

📷 Foto: Godzilla am Flughafen Haneda

Irgendwie war das der perfekte Empfang.

Denn einige Tage später sollte Godzilla noch eine ganz besondere Bedeutung für mich bekommen.

Die Einreise verlief völlig unkompliziert. Die notwendigen Formulare hatte ich bereits zu Hause online ausgefüllt und auf meinem Handy gespeichert.

Danach lernte ich direkt einen Service kennen, den ich in Deutschland manchmal vermisse:

Den Koffertransport.

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In Japan kann man seinen großen Koffer einfach am Flughafen abgeben, und er reist bequem alleine weiter zum Hotel.

Also nur noch den Tagesrucksack an den Rollstuhl und los ging es.

Die ersten Schritte in Tokio

Mein erster Weg führte mich zu einem Geldautomaten.

Bargeld spielt in Japan noch immer eine wichtige Rolle.

Danach suchte ich die berühmten pinkfarbenen Automaten für die Welcome-Suica-Karte.

Diese Karte wurde in den nächsten Wochen mein treuer Begleiter. Einfach an den blauen Sensor halten und schon öffnen sich die Schranken der U-Bahn.

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📷 Foto: Pinker Welcome-Suica-Automat

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Foto: U-Bahn-Plan von Zentral-Tokio / Bahngesellschaft JR

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Foto: Eine U-Bahnstation der Tozai-Linie in Tokio

Obwohl der Flug lang gewesen war, fühlte ich mich erstaunlich fit.

Statt direkt ins Hotel zu fahren, beschloss ich, Tokio erst einmal auf mich wirken zu lassen.

Diese riesigen Gebäude.

Die Menschen.

Die Energie der Stadt.

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Foto: Hauptbahnhof Tokio

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Foto: Thommes vor dem Kaiserpalast

Ich konnte kaum glauben, dass ich tatsächlich wieder hier war.

Ein religiöses Fest mitten in Tokio

Auf dem Weg zum Hotel hörte ich plötzlich Trommeln und Gesänge.

Neugierig rollte ich näher heran.

Dort fand ein religiöses Fest statt.

Die Menschen trugen traditionelle Kleidung und bewegten gemeinsam einen Schrein durch die Straßen. Rhythmische Gesänge und Trommeln begleiteten die Prozession.

Wenig später begegnete mir eine weitere Gruppe mit einem anderen Schrein und anderen Gewändern.

Genau diese ungeplanten Momente machen für mich den Zauber Japans aus.

📷 Foto: Religiöse Prozession in Tokio

Mein kleines Zuhause in Tokio

Mein Hotel war klein, aber perfekt eingerichtet.

Es gab eine Waschmaschine, eine Mikrowelle, ein Kochfeld und alles, was ich für die nächsten Tage brauchte.

Natürlich durfte der erste Besuch im Konbini nicht fehlen.

Ob Lawson, 7- Eleven oder FamilyMart – dort bekommt man einfach alles.

Ich kaufte mir die berühmten Eiersandwichs, Varianten mit Schinken und Salat, Kaffee und natürlich Baumkuchen.

Ja, die Japaner lieben Baumkuchen.

Und ich inzwischen auch.

📷 Foto: Mein Hotelzimmer in Tokio

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📷 Foto: Mein erster Einkauf im Konbini

Die Geräusche, die für mich zu Japan gehören

Es sind oft die kleinen Dinge, die man später am meisten vermisst.

Zum Beispiel die Ampeln.

In Tokio machen sie unterschiedliche Geräusche, je nachdem, in welche Richtung man die Straße überquert.

Für die eine Richtung hört man ein fröhliches:

„Piyu, piyu, piyu.“ (West-Ost-Richtung)

Für die andere Richtung ein rhythmisches:

„Kou-kuk, kou-kuk, kou-kuk.“ (Nord-Süd-Richtung)

Diese Töne gehören für mich heute genauso zu Japan wie die Shinkansen oder die Leuchtreklamen.

Und dann sind da noch die Konbinis.

Sobald sich die Tür öffnet, erklingen kleine Melodien, die sofort gute Laune vermitteln.

Die Kassensysteme sprechen mit den Kunden, freundliche Stimmen erklären die nächsten Schritte, und oft muss man die gewünschte Zahlungsmethode selbst auf einem Bildschirm auswählen.

Dazu hört man immer wieder das freundliche:

„Irasshaimase!“

Die Begrüßung der Mitarbeiter.

All diese Geräusche haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Wenn ich heute an Japan denke, höre ich sie sofort wieder.

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4. Mai – Der Fischmarkt und ein kleines U-Bahn-Abenteuer

Heute wollte ich unbedingt zum alten Fischmarkt von Tokio fahren.

Eigentlich wollte ich früh dort sein.

Eigentlich.

Denn schon auf dem Weg dorthin habe ich mich verfahren. An einer Station wollte ich umsteigen, doch dort gab es keinen Aufzug.

Also musste ich einen anderen Weg suchen und verlor wertvolle Zeit.

Als ich schließlich am Fischmarkt ankam, war es bereits brechend voll.

Aber das spielte keine Rolle.

Die Atmosphäre war einfach unglaublich.

Überall Menschen, Stimmen, Gerüche und unzählige kleine Stände.

Kleine Oktopusse, frisches Sushi, riesige Krabben – an jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken.

Natürlich habe ich verschiedene Köstlichkeiten probiert, sie wurden direkt vor meinen Augen zubereitet, schon allein durch diesem Anblick lief mir das Wasser im Munde zusammen.

Nach Diversen Speisen, Oktopusse, Sushi und Makrele war ich satt und zufrieden.

Es war warm, es war eng und es war laut.

Aber genau das machte den Reiz aus.

📷 Foto: Fischmarkt Tokio

Nachdem ich mich nun ordentlich gestärkt hatte, machte ich mich langsam wieder auf den Rückweg.

Natürlich wurde daraus erneut ein kleines Abenteuer.

Ich schlenderte durch verschiedene Kaufhäuser und kam schließlich in eines, das mich wirklich beeindruckte.

Die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss war einfach unglaublich.

Ich hatte fast Tränen in den Augen.

So etwas habe ich noch nie gesehen.

Jedes Gericht war ein kleines Kunstwerk.

Alles wirkte fein, elegant und unglaublich ästhetisch.

Der Rückweg mit der U-Bahn wurde noch einmal zur Herausforderung.

Mehrere hundert Meter unterirdisch, Aufzüge hoch und runter – aber irgendwann fand ich in Jimbocho schließlich doch die richtige Linie zurück.

Es war ein wunderschöner Tag und meine Japanreise nahm langsam fahrt auf.

Gute Nacht Tokio, gute Nacht Japan

Und der Fischmarkt war einfach eine Wucht.

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5. Mai – Vom Meiji-Schrein bis hoch über die Dächer von Tokio

Heute wartete das nächste Abenteuer.

Mein Ziel war der berühmte Meiji-Schrein.

Vorher wollte ich allerdings noch in Shinjuku bummeln.

Im riesigen Bahnhof kaufte ich mir zunächst ein kleines Etui für meine Welcome-Suica-Karte.

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Mit dieser aufladbaren Suica-Karte kann man bequem in den Metropolen Tokio, Osaka, Kyoto und Umgebung mit den öffentlichen Nahverkehr an alle Orte meiner Reise kommen.

Diese Suica musste nur bei den Gates der U-Bahnlinien an ein blaues Feld gehalten werden und schon öffneten sich die kleinen Flügeltüren.

Außerdem besorgte ich an diesem Tag bereits meine Fahrkarten für den Shinkansen nach Osaka.

Damit war ich für die Weiterreise bestens vorbereitet.

Der Bahnhof Shinjuku hat insgesamt 52 Bahnsteige (35 Bahnsteige von Bahngesellschaften wie JR East und 17 weitere Bahnsteige, in fünf verbundenen Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen ohne den Gebäudekomplex zu verlassen).

Die gesamte Anlage besitzt weit über 200 Ausgänge. Die durchschnittliche Zahl der Fahrgäste pro Tag beträgt etwa 3,59 Millionen (2018), was Shinjuku zum verkehrsreichsten Bahnhof der Welt macht.

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📷 Foto: Bahnhof Shinjuku

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Foto: Der Bahnhof von Shinjuku wird durch eine Hauptstraße durchschnitten, links ist der Südausgang.

Der Meiji – Schrein

Am Meiji-Schrein war bereits eine Menge los.

Nicht weit von Shinjuku (25 Minuten zu Fuß südlich) liegt mitten in Tokio diese riesige Anlage wie eine andere Welt. Es ist eine der größten Tempelanlagen in Tokio, der Meiji-Schrein ist ein Shinto-Schrein, eine der am meisten vertretenen Religionen.

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Foto: Sakefässer als Opfergabe der Mönche

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Und dann hatte ich auch noch Glück:

Direkt vor meinen Augen begann eine traditionelle Hochzeit.

Das Brautpaar, die Priester und die Angehörigen bewegten sich in einer feierlichen Prozession über den Platz. Gleichzeitig ertönte, langsam und rhythmisch eine vom Klang tiefe Trommel.

Alle anwesenden Touristen, einschließlich meiner Person, schauten auf, stockten in ihren Gesprächen und verfolgten diese Zeremonie.

Ein wunderschöner Moment.

Nach diesen schönen Augenblicken machte ich mich wieder auf den Weg hinaus aus dem Wald, in dessen Mitte der Schrein liegt.

Am Nachmittag zog es mich nach Roppongi. Roppongi ist ein lebhaftes Vergnügungsviertel, wo sich Einheimische und Touristen in gut besuchten, spätabends geöffneten Bars und Clubs tummeln.

Mein Ziel:

Der Mori JP Tower in Azabudai Hills.

Mit 325 Metern ist er das höchste Gebäude Japans.

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📷 Foto: Mori JP Tower

Um die Aussicht genießen zu können, musste man entweder einen Kaffee oder das saisonale Erdbeer-Sky-Parfait bestellen.

Ich entschied mich natürlich für das Parfait. 2.700 Yen und es war jeden einzelnen Yen wert.

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Ich bekam einen Platz direkt am Fenster.

Vor mir lag Tokio.

Wie eine riesige Leinwand, ein riesiges Panorama.

Und mittendrin der Tokio Tower.

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📷 Foto: Erdbeer-Sky-Parfait

Während ich mein Erdbeer-Parfait genoss, schweifte mein Blick immer wieder über diese unglaubliche Stadt.

Ich bin ehrlich:

Mir kamen die Tränen.

Nicht aus Traurigkeit.

Sondern aus Dankbarkeit.

Für diesen Moment.

Für diese Reise.

Und dafür, all das erleben zu dürfen.

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📷 Foto: Aussicht vom Mori JP Tower

Als ich später wieder unten ankam, war es bereits dunkel.

Natürlich wollte ich mir den Tokio Tower noch einmal aus der Nähe anschauen.

Jetzt leuchtete er bunt in der Nacht.

📷 Foto: Tokio Tower bei Nacht

Wie ein riesiger Weihnachtsbaum mitten in Tokio.

Ein wunderschöner Anblick.

Dieser traumhafte Tag endete gegen 20:30 Uhr in meinem gemütlichen Bett.

Gute Nacht

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6. Mai – Yokohama und meine neue Lieblingsmannschaft

Heute stand Yokohama auf dem Programm.

Nach knapp fünfzig Minuten Zugfahrt erreichte ich die Hafenstadt und war sofort begeistert.

Es war eine Bay-Front, viele Cafés und Restaurants. Man konnte entlang der Küste Yokohamas entspannt bummeln und spazieren. Die Gebäude ragten empor und es war eine tolle Skyline.

Es gab viel zu sehen und riesengroß erhob sich der Yokohama Landmark Tower mit einer Höhe von 295,80 m und 70 Stockwerken.

Davor lag ein Viermastsegelschiff, die Nippon Maru. Es war ein wenig seltsam, dieses alte Schiff vor den hochmodernen Gebäuden liegen zu sehen.

Die Bay wurde von einer Seilbahn überspannt, welche von vielen Besuchern genutzt wird. Gleich daneben sah ich ein wunderschönes Riesenrad.

Die ganze Kulisse erinnerte mich ein wenig an einen Vergnügungspark, der tatsächlich angrenzend dazugehörte.

Ein grandioser Ausblick:

Das Riesenrad.

Die Seilbahn.

Die modernen Hochhäuser.

Alles wirkte offen und freundlich.

📷 Foto: Hafen von Yokohama

Natürlich musste ich zunächst die Seilbahn ausprobieren.

Ganz ehrlich?

Nett, aber unbedingt notwendig war sie nicht. Immerhin sparte ich einige Kilometer im Rollstuhl.

Später begegnete ich einem älteren Fischer.

Mit Hilfe des Google-Übersetzers kamen wir tatsächlich ins Gespräch.

Er wartete auf die Flut, weil dann die Meerbrassen wieder näher an die Küste kommen würden.

Solche Begegnungen machen eine Reise unvergesslich.

Dann kam mir plötzlich eine Idee:

Warum nicht einmal zum Stadion der Yokohama Baseball BayStars fahren?

In Japan ist Baseball eine sehr beliebte nationale Sportart und hat sehr viele Fans.

Eine Station später stand ich bereits mitten im Vereinslokal der Mannschaft. Um mich herum waren überall Symbole der Yokohama BayStars, an der U-Bahnstation waren riesige, blaue Baseballhelme angebracht, die Farben des Vereins.

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Es war ein Heimspiel.

Die Stimmung war fantastisch. Menschen jubelten, sangen und fieberten mit ihrer Mannschaft mit. Ich schaute mir diese Spektakel eine Weile an, und auch Japaner können feiern.

Natürlich bekam ich Hunger.

Also bestellte ich mir etwas, das wie ein Burger aussah.

Diesmal verzichtete ich auf den Google-Übersetzer.

Ein Fehler!!!

Es war kein Burger.

Als ich herzhaft hineinbiss, schmeckte dieser vermeintliche Burger etwas seltsam. Auch sah das Fleisch seltsam in den Strukturen aus.

Nun nahm ich den Google-Übersetzer zur Hand ! ….und ??????

Es war ein gebratenes Thunfischkotelett mit Tomaten und Käse.

Und es war trotz der Überraschung unglaublich lecker.

📷 Foto: Das legendäre Thunfischkotelett

Oberhalb des Vereinslokals gab es einen riesigen Merchandising Shop, in diesem Fanshop konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten.

Eine Jacke, ein T-Shirt und ein paar Baseballs mussten einfach mit.

Seit diesem Tag bin ich wohl Fan der Yokohama BayStars.

Am Abend war ich völlig erschöpft.

Morgen würde es weiter nach Osaka gehen.

Und das nächste Abenteuer wartete bereits.

Ich schlief schneller ein als gedacht und vergaß das Licht zu löschen.

Gute Nacht

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7. Mai – Mit dem Shinkansen nach Osaka

Heute ging es weiter nach Osaka.

Die Tickets für den Shinkansen hatte ich mir bereits am 5. Mai besorgt. Das war eine gute Entscheidung, denn so konnte ich den Morgen ganz entspannt angehen.

Mein großer Koffer war schon am Vortag im Hotel abgegeben worden und befand sich bereits auf dem Weg nach Osaka.

Also nur noch den Tagesrucksack hinten an den Rollstuhl, die Slingbag vorne befestigt – und los ging es.

Am Bahnhof Tokio Central Station hatte ich genügend Zeit, mich in aller Ruhe umzuschauen. Allein dieser Bahnhof ist schon eine kleine Stadt für sich.

Auf meinem Ticket stand:

Wagen 11, Sitz 13B.

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Diese Information ist unglaublich wichtig. Die Züge sind über 400 Meter lang, halten nur wenige Minuten und fahren dann wieder pünktlich weiter.

Da ich früh genug da war, beschloss ich, mir die berühmten NOZOMI-Shinkansen etwas genauer anzuschauen.

Die weißen Riesen sind einfach beeindruckend.

Lang, elegant und mit ihrer riesigen Schnauze sehen sie fast aus wie futuristische Krokodile.

📷 Foto: Shinkansen NOZOMI am Bahnhof Tokio

Ich stellte mich an das vermeintliche Ende eines Zuges. Dort leuchteten rote Rücklichter, also war für mich klar, es mußte das Zugende sein.

Foto: Das vermeintliche Zugende.

Nach einer Weile bemerkte ich jedoch, dass eine Lokführerin in den Führerstand einstieg und plötzlich die Scheibenwischer betätigte.

Moment mal…

Warum benutzt jemand am Ende des Zuges die Scheibenwischer?

Und plötzlich dämmerte es mir:

Das war gar nicht das Zugende.

Das war die Lok!

Ein Blick auf die Uhr:

Noch zehn Minuten bis zur Abfahrt.

Oh Gott…

Jetzt musste ich die fast 400 Meter bis zu Wagen 11 schaffen.

Mit etwas Panik und ziemlich viel Tempo gelang mir das tatsächlich noch rechtzeitig.

Geschafft!

Foto: Mein Platz, 13B auf der linken Seite.

Eigentlich hätte ich lieber rechts gesessen, denn dort kann man normalerweise den Fuji-san sehen. Die Rollstuhlplätze befanden sich jedoch auf der linken Seite.

Aber manchmal kommt es anders.

Und manchmal sogar besser.

Fuji-san, Fuji-san!

Eigentlich hatte ich mich schon damit abgefunden, den Fuji diesmal nicht zu sehen.

Doch mitten während der Fahrt kam plötzlich ein junger Zugbegleiter in seiner Uniform und mit seiner Mütze auf mich zu.

Er lächelte mich an und sagte aufgeregt:

„Fuji-san! Fuji-san!“

Dabei machte er mit den Händen Gesten, dass ich schnell mitkommen sollte.

Ich verstand sofort.

Der Fuji war zu sehen!

Schnell setzte ich mich in meinen Rollstuhl. Der junge Mann half mir dabei und schob mir praktisch den Rollstuhl unter den Hintern, damit keine Zeit verloren ging.

Dann ging es so schnell wie möglich zwischen die beiden Waggons, dorthin, wo sich die Ein- und Ausstiegstüren befinden.

Und dann zeigte er auf das Fenster.

Da war er.

Der Fuji-san.

Majestätisch.

Ruhig.

Und einfach wunderschön.

Eine leichte Wolkenhaube lag über seinem Gipfel.

Er strahlte über das ganze Gesicht und war richtig glücklich, dass er mir diesen besonderen Moment zeigen konnte.

Was mich aber fast noch mehr berührt hat, war die Freude des jungen Mitarbeiters.

Spontan nahm er mein Handy und machte ein Foto von mir mit dem Fuji im Hintergrund.

Ich bedankte mich herzlich:

„Domo arigatou gozaimasu.“

Dann fragte ich ihn, ob ich auch ein Foto von ihm machen dürfte.

Natürlich.

Er salutierte freundlich mit der Hand, lächelte über beide Ohren und ließ sich fotografieren.

📷 Foto: Thommes mit dem Fuji-san im Hintergrund und dem super netten Zugbegleiter

Für mich war das einer der schönsten Momente der gesamten Reise.

Nicht nur wegen des Fuji-san.

Sondern wegen dieser Herzlichkeit und dieser ehrlichen Freude, einem fremden Menschen etwas Besonderes zeigen zu dürfen.

Danach kehrte ich wieder an meinen Platz zurück und genoss die restliche Stunde der Fahrt nach Osaka.

Mit einem Lächeln im Gesicht.

Ankunft in Osaka

Die Ankunft in Shin-Osaka verlief völlig problemlos.

Trotzdem muss ich sagen, dass ich den Bahnhof riesig und anfangs ziemlich unübersichtlich fand.

Was mir sofort auffiel:

Überall gab es Bentoboxen.

An fast jedem Bahnhof in Japan kann man diese kleinen Kunstwerke kaufen.

Für alle, die sie nicht kennen:

Bentoboxen sind liebevoll zusammengestellte Mahlzeiten für Reisende. Je nach Geschmack gibt es sie mit Hühnchen, Fleisch oder Fisch, dazu Reis, Nudeln und verschiedene Gemüsesorten.

Und ich kann euch versichern:

Sie sehen nicht nur fantastisch aus – sie schmecken auch hervorragend.

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📷 Foto: Bentoboxen am Bahnhof Shin-Osaka

Mein Hotel hieß:

The Lively Osaka Honmachi.

Also ging es weiter mit der roten Midosuji-Line. Und dabei fiel mir sofort etwas auf.

In Tokio stellt man sich auf Rolltreppen links hin, damit rechts überholt werden kann.

In Osaka ist es genau umgekehrt.

Hier in Osaka steht man rechts und die Eiligen ziehen links vorbei.

Ich fand das zunächst sehr seltsam.

Später habe ich recherchiert und eine mögliche Erklärung gefunden:

Während der Weltausstellung 1970 in Osaka kamen viele Besucher aus Ländern mit Rechtsverkehr. Angeblich hat sich diese Gewohnheit bis heute erhalten.

Ob das tatsächlich stimmt, weiß ich nicht.

Aber ich fand es faszinierend, wie unterschiedlich zwei Städte im selben Land sein können.

Auch die U-Bahn-Stationen wirkten anders.

Moderner.

Liebevoller gestaltet.

Aber gleichzeitig etwas kleiner und schmaler als die riesigen Anlagen in Tokio.

📷 Foto: U-Bahn-Station in Osaka

Mein neues Zuhause in Osaka

Das Hotel war schnell gefunden. Die Umgebung gefiel mir sofort.

Die Rezeption befand sich im ersten Stock.

Das Hotel selbst wirkte sehr modern und hatte eher ein junges Publikum.

📷 Foto: Mein Zimmer im The Lively Osaka Honmachi

Und dort stand bereits mein Koffer.

Mein Zimmer war wunderschön.

Ein großes Doppelbett.

Ein riesiger Fernseher.

Ein Wasserkocher.

Und für japanische Verhältnisse erstaunlich viel Platz.

Ich glaube, ich hatte eines der größeren Zimmer bekommen.

Der mambagrüne Koffer mit den gelben Bändern.

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Perfekt.

Das Gepäcksystem hatte wieder einmal tadellos funktioniert.

Interessant war auch die Hochautobahn in der Nähe.

Unter den riesigen Betonpfeilern befanden sich unzählige Restaurants, Kneipen und kleine Gaststätten.

Eine typisch japanische Lösung, jeden verfügbaren Platz sinnvoll zu nutzen.

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📷 Foto: Restaurants unter der Hochstraße

Kleine Straßen.

Viele Restaurants.

Und natürlich wieder Konbinis direkt um die Ecke.

Lawson.

7-Eleven.

FamilyMart.

Herrlich.

Die ersten Eindrücke von Osaka

Am späten Nachmittag erkundete ich noch die Umgebung. Und dabei fiel mir sofort auf:

Osaka ist ganz anders als Tokio.

Die Stadt wirkt enger.

Die Straßen sind schmaler.

Die Häuser stehen dichter beieinander.

Alles wirkt etwas gedrungener und gemütlicher.

Besonders beeindruckt haben mich die langen, überdachten Einkaufsstraßen.

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📷 Foto: Überdachte Einkaufsstraße in Osaka

Diese bogenförmigen Passagen ziehen sich über viele hundert Meter durch die Stadt.

Überall kleine Geschäfte, Boutiquen und Restaurants.

Eine völlig andere Atmosphäre als in Tokio.

Die Magie der Konbinis

Am Abend versorgte ich mich wieder in einem Konbini.

Schinken-Sandwichs.

Salat-Sandwichs.

Natürlich die berühmten Eier-Sandwichs.

Etwas Obst.

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Und selbstverständlich durfte auch der Baumkuchen nicht fehlen.

Ich glaube wirklich, dass die Japaner Baumkuchen genauso lieben wie wir Deutschen.

Da ich noch Hunger hatte, gönnte ich mir außerdem frisch frittiertes Hühnchen.

Warm.

Knusprig.

Einfach fantastisch.

Bis jetzt würde ich sagen: Das beste frittierte Hühnchen gibt es bei Lawson.

Mal sehen, ob sich das in den nächsten Tagen noch ändert.

Aber es sind nicht nur die Speisen, die die Konbinis so besonders machen.

Es sind die Geräusche.

Sobald sich die Tür öffnet, erklingen freundliche Melodien, die sofort gute Laune verbreiten.

Die Kassensysteme sprechen mit den Kunden.

Eine Stimme aus dem Bildschirm erklärt die nächsten Schritte.

Man wählt seine Zahlungsmethode durch Berühren des Displays aus.

Und immer wieder hört man das freundliche:

„Irasshaimase!“

Diese Klänge gehören für mich heute genauso zu Japan wie die Ampeltöne oder die Ansagen in den Shinkansen.

Eine besondere Begegnung

Der Abend hielt noch eine ganz besondere Verabredung für mich bereit.

Schon Monate vor meiner Reise hatte ich Kontakt mit einem Tätowierer namens Kimihito aufgenommen.

Er gehört zu den besten seines Fachs.

Ich wollte mir in Japan ein weiteres Tattoo stechen lassen.

Aber nicht irgendeines.

Dieses Tattoo sollte für mein Leben stehen.

Fünfzig Jahre im Rollstuhl.

Fünfzig Jahre voller Herausforderungen.

Fünfzig Jahre, in denen ich immer wieder aufgestanden bin und niemals aufgegeben habe.

Ich wollte ein Symbol für diese Unzerstörbarkeit.

Meine Wahl fiel auf:

Godzilla.

Nicht nur, weil mich diese Figur schon immer fasziniert hat. Sondern weil sie für Kraft, Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen steht.

Irgendwie passte es perfekt, dass mich bereits am Flughafen von Tokio eine riesige Godzilla-Figur begrüßt hatte.

Ich hatte Kimihito von Anfang an freie Hand gelassen.

Meine einzige Bitte war:

„Du bist der Meister. Es soll absolut japanisch sein.“

Mehr Vorgaben gab es nicht. Ich wollte keinen europäischen Stil.

Ich wollte echtes japanisches Handwerk.

Am Abend trafen wir uns schließlich zum ersten Mal in meinem Hotel.

Ich muss ehrlich sagen:

Ich hatte ihn mir etwas älter vorgestellt.

Kimihito war 41 Jahre alt, mittelgroß und wirkte unglaublich freundlich und sympathisch.

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Er zeigte mir seinen Entwurf.

Und ich war sprachlos.

Die Vorlage war wunderschön.

Genau so hatte ich mir meinen Godzilla vorgestellt.

Eigentlich hätte die Tätowierung in seinem Studio stattfinden sollen.

Doch das befand sich im dritten Stock. Ohne Aufzug.

Für mich war das unmöglich.

Also schaute sich Kimihito mein Hotelzimmer an und überlegte, was er noch benötigen würde.

Ganz ruhig.

Ganz pragmatisch.

Nachdem alles geklärt war, verabschiedeten wir uns wieder.

Wir wussten beide:

Am 9. Mai würden wir uns wiedersehen.

Und dann würde aus einer Idee, die Monate zuvor entstanden war, endlich Wirklichkeit werden.

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8. Mai – Die Burg von Osaka, ein Rosengarten mitten in Osaka

Für heute hatte ich mir etwas ganz Besonderes vorgenommen:

Die berühmte Burg von Osaka.

Eine gewaltige Festungsanlage, die in ihrer langen Geschichte viel erlebt und gesehen hat und bis heute zu den Wahrzeichen Japans gehört.

Zum Glück war die Lage meines Hotels einfach perfekt.

Ich brauchte nur etwa zwanzig Minuten, um zu Fuß beziehungsweise mit dem Rollstuhl bis zur Burg zu gelangen.

Der Weg dorthin machte bereits Spaß.

Ich fuhr zwischen riesigen Hochhäusern hindurch, vorbei an kleinen Geschäften, Restaurants und gemütlichen Imbissstuben. Überall gab es etwas zu entdecken.

Und plötzlich öffnete sich die enge Straßenschlucht.

Vor mir lag ein riesiger Platz.

Die eigentliche Burg konnte ich noch gar nicht sehen. Sie lag viel zu weit im Inneren der Anlage und thronte auf einem Hügel.

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📷 Foto: Die gewaltigen Mauern und Wassergräben der Burg Osaka

Allein diese Mauern waren schon beeindruckend.

Aber ich sah bereits die gigantischen Wassergräben und die gewaltigen Mauern aus riesigen, glatt geschliffenen Steinblöcken.

Ich musste eine ganze Weile um die Anlage herumfahren, bis ich schließlich die Brücken erreichte, die hinauf zur eigentlichen Burg führten.

Es war ein wenig anstrengend, aber die Mühe lohnte sich.

Und dann, nach der nächsten Kurve, stand sie plötzlich vor mir.

📷 Foto: Die Burg von Osaka

Die weiße Burg von Osaka.

Traumhaft schön.

Die goldenen Verzierungen funkelten in der Sonne, und die kunstvoll gestaltete Fassade wirkte fast unwirklich.

Acht Stockwerke ragte sie in den Himmel. Ein wirklich beeindruckender Anblick.

Wieder einmal hatte ich durch meinen Rollstuhl einen kleinen Vorteil.

Seitlich am Fundament befand sich ein Aufzug.

Sofort kam das Personal auf mich zu und half mir freundlich weiter.

Überhaupt hatte ich in Japan oft das Gefühl, wie ein VIP behandelt zu werden.

Die Menschen waren unglaublich hilfsbereit und aufmerksam.

Eine junge Mitarbeiterin führte mich zum Aufzug und gab mir mit einem Lächeln einen besonderen Hinweis.

Sie würde mich direkt in die oberste Etage bringen, damit ich zuerst die Aussicht genießen könne.

Wenn ich anschließend die anderen Stockwerke und Museumsräume besichtigen wollte, sollte ich einfach eine kleine Klappe neben dem Aufzug öffnen und dreimal klingeln.

Sie zwinkerte mir zu und sagte lachend:

„Das ist unser Geheimzeichen.“

Dann würde sie sofort wissen, auf welcher Etage ich mich befinde und mich dort wieder abholen.

Diese Herzlichkeit und Freundlichkeit werde ich wohl niemals vergessen.

📷 Foto: Blick aus der obersten Etage der Burg / rechte Foto mit dem Harukas 300

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Die Aussicht war einfach fantastisch.

Die gesamte Burganlage liegt erhöht über der Stadt und wirkt fast wie eine eigene kleine Welt.

Von oben konnte ich die gewaltigen Wassergräben und die mächtigen Befestigungsanlagen überblicken.

Unten fuhren kleine Boote mit Touristen über das Wasser, und in der Ferne erstreckte sich die Skyline von Osaka.

Sogar das Gebäude, das ich in den nächsten Tagen noch besuchen wollte, konnte ich bereits erkennen:

Das Harukas 300, das zweithöchste Gebäude Japans.

Langsam arbeitete ich mich anschließend Etage für Etage wieder nach unten.

In den Ausstellungen wurde die Geschichte der Burg und vor allem die Vereinigung Japans dargestellt.

Damals bestand das Land noch aus vielen einzelnen Fürstentümern, die gegeneinander Krieg führten.

Es war spannend, mehr über diese Zeit zu erfahren und die Hintergründe der japanischen Geschichte kennenzulernen.

Nachdem ich die Burg wieder verlassen hatte, umrundete ich noch ganz entspannt die gesamte Anlage.

Es war einfach wunderschön.

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📷 Foto: Die Burganlage von Osaka

Doch der Tag war noch lange nicht vorbei.

Ein verstecktes Paradies mitten in Osaka

Es war inzwischen später Vormittag geworden, aber ich hatte überhaupt keine Lust, schon wieder zurück ins Hotel zu fahren.

Also zog es mich weiter Richtung Norden.

Dabei gelangte ich auf eine Insel mitten im Fluss.

Und dort erwartete mich eine Überraschung.

Ein wunderschöner Rosengarten.

Mitten zwischen den riesigen Gebäuden und dem Großstadtlärm lag plötzlich diese friedliche Oase.

Der Garten ist in Osaka sehr bekannt und lockt jedes Jahr viele Besucher an.

Und ich verstand sofort warum.

Die gesamte Anlage war liebevoll gestaltet.

Immer wieder führten kleine Brücken über Wasserläufe und verbanden die verschiedenen Bereiche miteinander.

Überall blühten Rosen in den unterschiedlichsten Farben.

Ein leichter Wind wehte durch die Anlage und sorgte für eine wunderbare Atmosphäre.

Es war ruhig.

Entspannt.

Und unglaublich schön.

📷 Foto: Rosengarten in Osaka

Ich glaube, genau solche Orte machen eine Reise besonders.

Man sucht sie nicht bewusst.

Und plötzlich findet man sie einfach.

Eine Begegnung mit Cosplayer

Nach einiger Zeit verließ ich die Insel und schlenderte weiter durch den nördlichen Teil von Osaka.

Irgendwann erreichte ich einen großen Platz.

In der Ferne stand ein beeindruckendes historisches Gebäude.

Wie sich später herausstellte, handelte es sich um die alte Stadthalle von Osaka.

Doch etwas anderes zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich.

Auf den Treppenstufen saßen mehrere junge Menschen in aufwendigen Kostümen und wurden fotografiert.

Natürlich wurde ich neugierig.

Also rollte ich direkt hinüber.

Und tatsächlich:

Es waren Cosplayer.

Für alle, die damit nichts anfangen können:

Cosplayer sind Menschen, die ihre Helden aus Videospielen, Comics, Filmen oder Anime möglichst originalgetreu darstellen möchten.

Sie kleiden sich wie ihre Vorbilder, schminken sich entsprechend und versuchen, ihren Figuren so nahe wie möglich zu kommen.

Ich schaute ihnen eine Weile fasziniert zu und fasste schließlich meinen Mut zusammen.

Ich fragte höflich, ob ich ebenfalls ein Foto machen dürfte.

Die jungen Leute steckten ihre Köpfe zusammen, berieten sich kurz und schauten mich an.

Dann kreuzten sie ihre Arme vor der Brust “Iie”

Das bedeutet in Japan:

Nein.

Ich muss zugeben, dass ich in diesem Moment ein wenig enttäuscht war.

Vielleicht sogar etwas traurig.

Doch offenbar bemerkten sie meine Enttäuschung.

Und so durfte ich am Ende doch ein schönes Erinnerungsfoto machen.

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📷 Foto: Cosplayer vor der alten Stadthalle von Osaka

Aber die Begegnung selbst werde ich niemals vergessen.

Ein langer, wunderschöner Tag

Die Zeit verging wie im Flug.

Langsam neigte sich der Tag dem Ende entgegen.

Ich machte mich vom Norden Osakas wieder auf den Weg zurück Richtung Hotel.

Natürlich nicht, ohne unterwegs noch in einem kleinen Restaurant einzukehren und eine Kleinigkeit zu essen.

Gegen 20 Uhr war ich schließlich wieder zurück.

Ich war müde.

Aber glücklich.

Der Tag war voller neuer Eindrücke, wunderschöner Orte und besonderer Begegnungen gewesen.

Und so dauerte es nicht lange, bis ich tief und zufrieden einschlief.

Denn morgen wartete bereits das nächste Abenteuer.

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9. Mai – Fünf Stunden mit Godzilla

Heute Morgen habe ich beschlossen, einmal auswärts zu frühstücken.

Es war schließlich Samstag.

Ein paar hundert Meter vom Hotel entfernt entdeckte ich Hollys Coffee.

Ein interessantes Konzept.

Alles war sauber, hell und modern eingerichtet. Die Bedienung wirkte zunächst etwas zurückhaltend, aber freundlich.

Das Frühstück war hervorragend.

Ich entschied mich für geröstetes Toast mit Schinken und Käse. Der Käse war wunderbar geschmolzen, dazu gab es eine leckere Soße mit einer ganz leichten Senfnote.

Einfach köstlich.

Natürlich durfte auch ein guter Kaffee nicht fehlen.

📷 Foto: Mein Frühstück bei Holly’s Cafe

Eine Sache faszinierte mich besonders.

Im Eingangsbereich standen mehrere Karaffen mit Wasser und Kaffeepulver. Zunächst konnte ich mir überhaupt nicht erklären, was dort vor sich ging.

Doch nach einiger Zeit beobachtete ich die Bedienung genauer.

Sie ging immer wieder zu den einzelnen Karaffen, nahm eine kleine Stoppuhr zur Hand und kontrollierte ganz genau, wie viele Tropfen Wasser durch den Kaffee liefen.

Die Lösung des Rätsels:

Es handelte sich um Eiskaffee nach niederländischer Art.

Mit unglaublicher Präzision und Geduld hergestellt.

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Wieder so eine Kleinigkeit, die mich in Japan immer wieder begeistert hat.

Warten auf Kimi

Nach dem Frühstück bummelte ich noch ein wenig durch die Umgebung.

Ich wollte mich aber nicht zu weit vom Hotel entfernen.

Schließlich hatte ich um zwölf Uhr einen wichtigen Termin.

Mit Kimihito.

Oder besser gesagt:

Mit Kimi, wie er wollte, dass ich ihn nenne.

Pünktlich um zwölf Uhr wartete ich unten in der Lounge.

Und natürlich war Kimi auf die Minute genau da.

Er zog einen Rollkoffer hinter sich her und sah aus wie ein ganz normaler Hotelgast.

Eigentlich eine perfekte Tarnung.

Denn niemand sollte sofort erkennen, dass sich darin seine gesamte Tätowierausrüstung befand.

Gemeinsam gingen wir auf mein Zimmer.

Wir schlossen die Tür und hängten vorsichtshalber das Schild:

„Bitte nicht stören.“

an die Türklinke.

Dann begann Kimi mit seiner Arbeit.

Mit einer unglaublichen Ruhe und Sorgfalt wickelte er alles in Schutzfolie ein, baute ein kleines Tischchen auf und positionierte eine zusätzliche Lampe.

Alles hatte seine Ordnung.

Alles hatte seinen festen Platz.

Dann zeigte er mir noch einmal den endgültigen Entwurf.

Er fragte, ob ich damit einverstanden sei.

Natürlich war ich es.

Mehr als das.

Ich war begeistert.

Und dann ging es los.

Fünf Stunden voller Gespräche

Die gesamte Prozedur dauerte gut fünf Stunden.

Und ehrlich gesagt:

Die Zeit verging überraschend schnell. Wir unterhielten uns viel.

Natürlich half uns dabei der Google-Übersetzer.

Ich sprach meine Texte ein und ließ sie auf Japanisch vorlesen.

Das führte immer wieder zu lustigen Situationen.

Kimi verstand sofort, lachte oft und erzählte seinerseits viel über sein eigenes Leben.

Besonders interessant fand ich seine Erklärungen über Osaka.

Er erzählte mir, dass Wohnungen im Süden der Stadt deutlich günstiger seien als im Norden.

Der Grund dafür:

Der südliche Teil liegt wesentlich niedriger und gilt deshalb als stärker Tsunami-gefährdet.

Der Norden hingegen liegt höher und ist entsprechend sicherer.

Das macht sich natürlich auch bei den Kauf- und Mietpreisen bemerkbar.

Ein spannender Einblick, über den ich vorher nie nachgedacht hatte.

Deutsche und Japaner

Noch interessanter wurde es, als wir über Menschen und Freundschaften sprachen.

Kimi erklärte mir, dass viele südländische Kulturen viel offener seien.

Dort würden sich Menschen oft schon nach kurzer Zeit wie alte Freunde begrüßen, sich umarmen und miteinander umgehen, als würden sie sich seit Jahren kennen.

Japaner dagegen seien eher zurückhaltend.

Sie beobachten zunächst.

Man muss sie erst besser kennenlernen.

Erst nach mehreren Begegnungen und gemeinsamen Erfahrungen entsteht langsam eine echte Freundschaft.

Dann sagte er etwas, das mich überraschte:

Seiner Meinung nach seien die Deutschen ganz ähnlich.

Auch wir seien eher reserviert und bräuchten Zeit, bevor wir jemanden wirklich in unser Herz lassen.

Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr musste ich ihm zustimmen.

Mein Godzilla

So verging Stunde um Stunde.

Wir lachten.

Wir unterhielten uns.

Und Kimi arbeitete konzentriert weiter.

Ich dagegen musste vor allem stillhalten.

Gegen 18 Uhr waren wir schließlich fertig.

Und das Ergebnis?

Es war besser, als wir beide es uns vorgestellt hatten.

Kimi freute sich offensichtlich selbst über das Ergebnis.

Es war nämlich der erste Godzilla, den er jemals tätowiert hatte.

Und ich glaube, er war ein wenig stolz darauf, wie gut seine Arbeit gelungen war.

Ich jedenfalls war überwältigt.

Denn dieses Tattoo war für mich viel mehr als nur ein Bild.

Es war ein Symbol.

Für fünfzig Jahre im Rollstuhl.

Für Rückschläge.

Für das immer wieder Aufstehen.

Und dafür, niemals aufzugeben.

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📷 Foto: Das fertige Godzilla -Tattoo

Abschied von einem neuen Freund

Danach wurde aufgeräumt.

Ich bezahlte Kimi, und langsam wurde uns beiden bewusst, dass sich unsere Wege nun wieder trennen würden.

Wir verabschiedeten uns herzlich. Natürlich mit der Hoffnung, uns irgendwann wiederzusehen.

Kimi war überzeugt:

Wenn ich noch einmal nach Osaka komme, werden wir uns wieder treffen.

Und ehrlich gesagt:

Ich glaube das auch.

Es war eine wunderbare Erfahrung, über mehrere Stunden mit einem Japaner sprechen zu können.

Nicht nur oberflächlich.

Sondern über das Leben.

Über Menschen.

Über Freundschaft.

Und über die Dinge, die uns wirklich beschäftigen.

Nach diesem besonderen Erlebnis musste ich meinen Arm natürlich schonen.

Ich machte nur noch einen kleinen Spaziergang vor dem Hotel und besorgte mir im 7-Eleven etwas fürs Abendessen.

Dann fiel ich müde, aber unglaublich zufrieden ins Bett.

Und während ich langsam einschlief, wusste ich:

Dieser Tag würde mir für immer in Erinnerung bleiben.

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10. Mai – Ein Sonntag in Umeda

Heute, am Sonntag, hatte ich etwas ganz Besonderes vor:

Einen Einkaufsbummel.

Ja, ihr habt richtig gehört.

Einen ganz normalen Einkaufsbummel.

Japan ist schließlich kein christlich geprägtes Land, und deshalb haben die Geschäfte auch sonntags geöffnet.

Mein Ziel war Umeda, der moderne Norden von Osaka mit seiner beeindruckenden Architektur, riesigen Kaufhäusern und unzähligen Geschäften.

Also machte ich mich auf den Weg.

Die Fahrt mit der U-Bahn war zunächst überhaupt kein Problem.

Den Eingang hatte ich schnell gefunden.

Allerdings befand er sich mitten in einem Gebäude, und wie so oft in Japan musste ich mehrere Etagen hoch und wieder herunterfahren, durch lange Gänge und verschiedene Ebenen, bis ich schließlich den richtigen Bahnsteig erreicht hatte.

Doch die eigentliche Herausforderung wartete erst in Umeda.

Denn als ich dort ausstieg, verlief ich mich tatsächlich.

Ich wusste plötzlich nicht mehr, in welche Richtung ich gehen musste.

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Foto: 18 Ausgänge !!

Welcher Ausgang war der richtige?

Wo gab es Aufzüge?

Wie kam ich überhaupt wieder ans Tageslicht?

Mehr als eine halbe Stunde irrte ich durch die riesige Bahnhofsanlage, vorbei an Geschäften, Gates und endlosen Gängen.

Und dann endlich:

Der Ausgang.

Und was für einer.

Vor mir öffnete sich eine völlig neue Welt.

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📷 Foto: Wasserspiele und Parkanlagen am Ausgang des Bahnhofs von Osaka Umeda

Springbrunnen.

Wasserspiele.

Schöne Grünanlagen.

Und mitten auf einer Wasserfläche stand ein riesiger, giftgrüner Bär, der im hohen Bogen eine Wasserfontäne spuckte.

Mich erinnerte er sofort an einen überdimensionalen Haribo-Bären.

Obwohl es noch Vormittag war, waren unglaublich viele Menschen unterwegs.

Überall herrschte Leben.

Und genau das machte diesen Stadtteil so besonders.

Grand Front Osaka

Am meisten beeindruckte mich jedoch die Grand Front Osaka.

Ein wunderschöner moderner Gebäudekomplex mit integrierten Gärten, Cafés und kleinen Parkanlagen.

Man konnte zwischen den Gebäuden spazieren und immer wieder auf begrünte Terrassen und ruhige Plätze blicken.

Es wirkte modern, aber gleichzeitig unglaublich einladend.

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📷 Foto: Bahnhof Osaka Umeda

Während ich gemütlich schlenderte, entdeckte ich ein wunderschönes Café.

In der Auslage standen traumhafte Torten.

Da konnte ich natürlich nicht widerstehen.

Ich beschloss spontan, eine Pause einzulegen, denn das Café war luftig und offen gestaltet.

Die Menschen flanierten draußen vorbei, und die Bedienungen begegneten ihren Gästen mit der typisch japanischen Höflichkeit und kleinen Verbeugungen.

Und der Kuchen?

Einfach fantastisch.

Ein wunderbares Stück Erdbeerkuchen, das wirklich hervorragend schmeckte.

📷 Foto: Erdbeerkuchen im Café

In vielen Bereichen der Grand Front Osaka befinden sich die Bahnhöfe und Einkaufspassagen im Untergeschoss, während sich in den oberen Etagen zahlreiche Restaurants befinden.

Besonders interessant fand ich die riesigen Schautafeln in den Eingangsbereichen.

Über viele Meter hinweg präsentieren die Restaurants dort ihre Speisen mit großen Bildern und Modellen.

Die Menschen bleiben stehen, schauen sich alles in Ruhe an und überlegen, worauf sie gerade Lust haben.

Eine wirklich angenehme Art, ein Restaurant auszuwählen.

Yodobashi – Eine eigene Welt

Nach meinem Kuchen war ich erst einmal satt und beschloss, weiterzubummeln.

Mein nächstes Ziel:

Yodobashi.

Eines der größten und umsatzstärksten Kaufhäuser Japans für Elektronik, Freizeit und vieles mehr.

Schon von Weitem konnte ich die riesigen Werbeschilder erkennen.

Über Brücken und breite Fußwege gelangte ich schließlich zum Eingang.

Und als ich die Tür öffnete, war ich sofort überwältigt.

Lautsprecher spielten Musik.

Überall erklangen Jingles und Melodien.

Und natürlich die berühmte Yodobashi-Melodie, die eigens für die Kaufhauskette komponiert wurde.

Sie hallte durch das gesamte Gebäude.

📷 Foto: Yodobashi Osaka

Die Warenvielfalt war schlicht unbeschreiblich.

Jede Etage hatte ungefähr die Größe eines Fußballfeldes.

Elektronik.

Sportartikel.

Uhren.

Handys.

Freizeitartikel.

Und Dinge, die ich vorher noch nie gesehen hatte.

Mit großen Augen schlenderte ich stundenlang durch die Gänge, probierte hier und da etwas aus und ließ mich einfach treiben.

Abendessen auf der 9F

Irgendwann meldete sich dann doch der Hunger.

Zum Glück wusste ich bereits, wo ich etwas zu essen finden konnte.

In den Eingangsbereichen waren überall große Tafeln mit Bildern der verschiedenen Restaurants angebracht.

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Ich entschied mich für ein Restaurant auf der 9. Etage.

Oder besser gesagt:

Auf der 9F.

Denn in Japan gibt es keine Null-Etage. Es beginnt mit 1F, dann 2F, 3F und so weiter.

Die pinkfarbenen Aufzüge waren übrigens speziell für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Behinderungen, Schwangere und Familien mit Kinderwagen vorgesehen.

Ein wirklich schönes System.

📷 Foto: Die Restaurantetage im Yodobashi

Mit Hilfe des Google-Übersetzers suchte ich mir mein Essen aus. Ich zeigte einfach auf das Bild, bezahlte und wartete auf meine Bestellung.

Diesmal wurde mir das Tablett sogar direkt an den Tisch gebracht.

Ich hatte mir Flank Steak mit Reis bestellt.

Dazu gab es eine Suppe und eingelegtes Gemüse.

Als ich den Deckel des viereckigen Kästchens öffnete, kam mir sofort der Duft von frischem Reis, gebratenem Fleisch und den verschiedenen Gewürzen entgegen.

Es sah fantastisch aus.

Und genauso schmeckte es auch.

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📷 Foto: Flank Steak mit Reis

Natürlich aß ich alles mit Stäbchen. Dazu gönnte ich mir noch ein Bier.

In diesem Moment war ich einfach glücklich.

Ein perfekter Abend in Osaka

Langsam brach der Abend herein.

Auf den Grünflächen rund um die modernen Gebäude hatten viele junge Menschen Decken ausgebreitet und Picknickkörbe geöffnet.

Man hörte Musik.

Überall wurde gelacht.

Die Menschen genossen die Abendsonne und die angenehme Stimmung.

Und direkt gegenüber erhob sich das imposante Umeda Sky Building.

Die tiefstehende Sonne spiegelte sich in der Glasfassade und ließ das Gebäude fast golden erscheinen.

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📷 Foto: Umeda Sky Building in der Abendsonne, direkt gegenüber des Bahnhofs

Ich blieb einen Moment stehen.

Schaute mich um.

Und versuchte, diesen Augenblick ganz bewusst festzuhalten.

Solche Momente sind es, die man später nie wieder vergessen möchte.

Das Umeda Sky Building würde ich an einem anderen Tag besuchen.

Für heute war ich einfach nur müde und glücklich.

Diesmal fand ich den richtigen Eingang zur U-Bahn deutlich schneller und machte mich auf den Heimweg.

Als ich schließlich die Lichter meines Hotels sah – dem Lively Osaka Honmachi – wusste ich:

Es war wieder ein wunderschöner Tag gewesen.

Und so schlief ich zufrieden und friedlich ein.

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11.05. – Die heiligen Hirsche von Nara und der Kampf ums Frühstück

Ja, ein neuer Tag und ein neues Abenteuer. Heute habe ich vor, nach Nara zu fahren, um mir die heiligen Hirsche anzuschauen. Angeblich sollen diese Hirsche sich verneigen, bevor sie ihr Futter bekommen.

Mal schauen, ob das wirklich so ist. Gleichzeitig befindet sich dort einer der berühmtesten Tempel Japans. Der Tōdai-ji-Tempel gilt als einer der größten buddhistischen Tempel der Welt.

Er beherbergt das größte Holzgebäude der Welt und darin eine gewaltige Buddha-Statue aus Bronze.

Ich fuhr diesmal mit einem Regionalzug nach Nara. Das war etwas ganz anderes als die Fahrten in Tokio oder Osaka. Es war kein hektischer Stadtverkehr mehr.

Auf den Bahnsteigen ist Alles bis ins Kleinste geregelt und organisiert, die Wege und das Schlangestehen.

Foto: Bahnsteige der U-Bahn – Linksverkehr

Die Strecke führte über das Land, vorbei an Bergen, Feldern, kleinen Dörfern und durch zahlreiche Tunnel. Nara liegt östlich von Osaka, und die Fahrt dauerte etwa eine Stunde.

Ich genoss es sehr, einmal eine andere Seite Japans kennenzulernen.

Je weiter wir uns Nara näherten, desto stärker wurde die Steigung, und der Zug kämpfte sich langsam durch die hügelige Landschaft.

Am Bahnhof angekommen, war es leicht, den Ausgang zu finden. Nara besitzt einen überschaubaren Kopfbahnhof mit nur wenigen Gleisen. Da es bereits morgens um halb zehn sehr warm war, versorgte ich mich zunächst mit einem Onigiri und etwas zu trinken.

Immer wieder hatte ich gelesen, dass man möglichst früh zu den Hirschen gehen sollte. Morgens seien sie noch hungrig von der Nacht, neugierig und aktiv. Nachmittags hingegen, wenn bereits viele Touristen sie gefüttert hätten, würden sie träge und weniger interessiert sein.

Dass genau diese Entscheidung noch zu meinem größten Fehler des Tages werden würde, ahnte ich allerdings nicht.

Der Aufstieg zum Park war beschwerlich. Ich wählte nicht die Hauptroute der Touristen, sondern eine kleinere Seitenstraße. Der Weg war steil, geschottert und aufgrund der Hitze anstrengend. Mehrmals musste ich eine Pause einlegen, bevor ich schließlich den oberen Bereich des Parks erreichte.

Dort sah ich sie zum ersten Mal.

Die heiligen Hirsche von Nara.

Sie kamen langsam auf mich zu. Ihr Fell wirkte etwas struppig und zerzaust. Wahrscheinlich befanden sie sich gerade im Fellwechsel. Anfangs waren sie vorsichtig und schauten neugierig auf mich und meinen Rollstuhl.

Doch das sollte sich schon bald grundlegend ändern.

Man durfte ausschließlich spezielles Futter verfüttern, das an kleinen Verkaufsständen angeboten wurde. Die sogenannten Hirschkekse sahen aus wie dünne, runde, feste Waffeln.

Als ich an einen dieser kleinen Verkaufswagen kam, der lediglich aus einem Sonnenschirm und einem mobilen Tresen bestand, standen bereits zahlreiche Hirsche davor.

Ich bekam ein etwas mulmiges Gefühl.

Für 200 Yen – umgerechnet etwa 1,10 Euro – kaufte ich einen ganzen Stapel dieser Waffeln.

Und dann ging es los.

Offensichtlich hatten die heiligen Hirsche wirklich noch nicht gefrühstückt.

Innerhalb weniger Sekunden wurde ich regelrecht belagert.

Es war unmöglich, einzelne Kekse in Ruhe aus der Packung zu nehmen. Die Tiere waren unglaublich schnell und unglaublich gierig. Vor mir, hinter mir, links und rechts – überall waren Hirsche.

Sie gingen sogar gegenseitig aufeinander los, weil das Futter nicht schnell genug verteilt wurde.

Ich versuchte verzweifelt, eine Waffel nach der anderen zu verteilen, doch die Tiere rissen sie mir förmlich aus den Händen. Sie zupften an meinen Ärmeln, stupsten mich an und drängten sich immer näher.

Thommes war umzingelt.

Und das im Sitzen, auf Augenhöhe.

Ich muss zugeben, dass mir die ganze Situation langsam unheimlich wurde. Mit beiden Händen voller Futter konnte ich mich nicht einmal vernünftig fortbewegen oder in Sicherheit bringen.

Das Gedränge wurde schließlich so heftig, dass mir der gesamte Stapel Hirschkekse auf den Boden fiel.

Zunächst bemerkten die Hirsche das gar nicht und bedrängten weiterhin mich. Doch dann entdeckten sie die Beute.

Innerhalb eines Augenblicks konzentrierte sich die gesamte Herde auf die Waffeln am Boden, und ich konnte endlich das Weite suchen.

Ganz ehrlich:

So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Ich hatte gehofft, dass sich die Hirsche höflich verbeugen würden und ich sie in aller Ruhe füttern könnte. Aber die hungrigen Tiere kannten an diesem Morgen keine Geduld und keine Manieren.

Wer jetzt glaubt, ich würde bei meiner Geschichte ein wenig übertreiben, der irrt sich gewaltig.

Die Fotos beweisen es.

Innerhalb weniger Sekunden war ich komplett umzingelt.

Von vorne.

Von hinten.

Von links.

Von rechts.

Die heiligen Hirsche kannten keine Gnade.

Einige zupften bereits an meiner Kleidung, andere versuchten, an die Kekse zu gelangen, und wieder andere warteten nur darauf, dass mir ein Fehler unterlief.

Und genau das geschah schließlich auch.

Im Nachhinein kann ich darüber lachen.

In diesem Moment allerdings war ich mir nicht mehr ganz sicher, wer hier eigentlich die Wildtiere und wer die Touristen waren.

Eines habe ich jedenfalls gelernt:

Die heiligen Hirsche von Nara sind freundlich – solange man kein Futter in der Hand hält.

Sobald sie merken, dass es etwas zu holen gibt, verwandeln sie sich in erstaunlich gut organisierte, vierbeinige Raubtiere.

Und das alles auf Augenhöhe im Rollstuhl.

Eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde.

Thommes gegen die heiligen Hirsche von Nara – oder: Der Kampf ums Frühstück.

Nachdem ich mich schließlich in Sicherheit gebracht und etwas Abstand gewonnen hatte, konnte ich wieder entspannen.

Die heiligen Hirsche – so heilig waren sie in diesem Moment gar nicht mehr. Diese rabiaten Biester hatten mich ganz schön in die Mangel genommen. Aber sie wussten nun, dass bei mir nichts mehr zu holen war, und ließen von mir ab.

Nach einigen hundert Metern durch wunderschöne Parkanlagen und unter alten Bäumen erreichte ich schließlich die gewaltigen Tempeltore des Tōdai-ji.

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Der Tōdai-ji ist vollständig aus Holz gebaut und zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken Japans.

Die Haupthalle misst 57 Meter in der Breite, über 50 Meter in der Tiefe und fast 49 Meter in der Höhe. Sie gilt bis heute als das größte vollständig aus Holz errichtete Gebäude der Welt.

Im Inneren befindet sich eine riesige Buddha-Statue aus Bronze. Sie ist etwa 15 Meter hoch und wiegt rund 450 Tonnen.

Langsam bewegte ich mich im Uhrzeigersinn durch die gewaltige Halle und betrachtete die imposanten Figuren und Verzierungen. Die Atmosphäre war überwältigend und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus.

In einer Ecke entdeckte ich wieder etwas, das mir in Japan immer wieder begegnete:

Einen kleinen Tisch mit kostenlosen Stempeln.

Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erzählt habe, aber in Japan gehört das Sammeln von Stempeln einfach dazu. In Bahnhöfen, Flughäfen, Burgen, Tempeln oder Parks stehen kleine Tische mit kunstvoll gestalteten Stempeln bereit.

Ich hatte extra ein Stempelbuch mitgenommen und dokumentierte damit meine gesamte Reise.

Die Stempel sind oft so groß wie Bierdeckel und zeigen Sehenswürdigkeiten, Orte oder besondere Wahrzeichen der jeweiligen Region.

Kurz vor dem Ausgang entdeckte ich noch weitere Schalter, die mir zunächst gar nicht aufgefallen waren.

Dort konnte man gegen einen kleinen Betrag besondere Tempelstempel erhalten – sogenannte Goshuin.

Natürlich musste ich das machen.

Ich zog schnell 200 Yen aus der Tasche und reichte mein Buch durch ein kleines Fenster. Eine freundliche Dame setzte zwei wunderschöne Stempel hinein und schrieb anschließend mit einem Pinsel kunstvolle japanische Schriftzeichen auf die Seite. Zwischen die Seiten legte sie sogar vorsichtig ein Löschblatt.

Ich war überglücklich.

Diese wunderschöne Kalligraphie gehört heute zu meinen schönsten Erinnerungen an Japan.

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Ich kann jedem nur empfehlen, sich ein solches Stempelbuch zuzulegen. Es dokumentiert die Reise auf eine ganz besondere und sehr japanische Art.

Nach diesem aufregenden Abenteuer war ich wirklich erschöpft.

Langsam machte ich mich wieder auf den Rückweg zum Bahnhof und wartete auf den Zug, der mich durch die wunderschöne Landschaft zurück nach Osaka brachte.

Einen kurzen Moment konnte ich aus dem Zug auf der rechten Seite einen Blick auf Osaka werfen, und die Größe wahrnehmen.

Bevor ich wieder ins Hotel ging, kaufte ich natürlich noch etwas für den Abend und gleichzeitig für das Frühstück am nächsten Morgen.

Ich muss es einfach sagen:

Ich liebe die Konbinis.

Und ganz besonders liebe ich 7-Eleven.

Gute Nacht.

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12.05. – Harukas 300 und meine ganz persönliche Konfrontationstherapie

Heute sollte etwas ganz Besonderes passieren.

Eine Art Konfrontationstherapie.

Davon werde ich später noch mehr erzählen – und ihr werdet sie gewissermaßen miterleben.

Heute Morgen bin ich etwas später aufgestanden, denn ich wusste bereits, dass es heute Abend länger werden würde.

Deshalb ließ ich mir Zeit und ging erst spät zum Frühstück.

Diesmal schlenderte ich vom Hotel in eine andere Richtung. Einige Tage zuvor hatte ich ein weiteres Holly’s Café entdeckt, und genau dort wollte ich heute frühstücken. Es lag direkt an einer großen Kreuzung.

Es war wieder traumhaft schön, den Tag auf diese Weise zu beginnen.

Ich bestellte erneut das leckere Toast vom letzten Mal.

Da es sich um eine Kaffeehauskette handelte, waren die Speisekarten überall gleich.

Während ich dort saß, meinen Kaffee trank und mein Reisetagebuch schrieb, zog vor meinen Augen das Leben Japans vorbei. Berufstätige Menschen eilten über die Kreuzung, Autos fuhren in alle Richtungen, und sogar ein Polizeiwagen kam vorbei, dessen Sirene in unseren Ohren irgendwie ganz seltsam und ungewohnt klang.

Ich konnte gar nicht aufhören, hinauszuschauen und dabei an meinem Kaffee zu schlürfen.

Es war ein friedlicher Morgen, und draußen bewegte sich das Leben Japans in seinem ganz eigenen Rhythmus.

Anschließend machte ich mich mit der U-Bahn auf den Weg zu meinem heutigen Ziel:

Dem Harukas 300.

Das höchste Gebäude Osakas und mit seinen 300 Metern gleichzeitig das zweithöchste Gebäude Japans.

Dort oben befinden sich mehrere Aussichtsplattformen mit riesigen Glasfronten, die vom Boden bis zur Decke reichen.

Da ich nicht schwindelfrei bin, sollte dies eine echte Herausforderung werden. Ich fuhr mit der U-Bahn bis in die Nähe meines Ziels und legte die letzten Meter gemütlich zu Fuß zurück.

Schon aus einiger Entfernung war dieses gewaltige Gebäude nicht zu übersehen.

Um die oberste Plattform überhaupt sehen zu können, musste ich den Kopf weit in den Nacken legen.

Dort oben wollte ich tatsächlich hinauf.

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Oh Mann, was hatte ich mir da nur vorgenommen?

Da ich aber erst am späten Nachmittag nach oben fahren wollte, um sowohl den Sonnenuntergang als auch die nächtliche Skyline von Osaka genießen zu können, blieb noch genügend Zeit für einen Spaziergang.

Direkt neben dem Harukas befinden sich ein wunderschöner Park und der Zoo von Osaka.

Natürlich versorgte ich mich wieder im Lawson-Konbini mit einigen Kleinigkeiten:

Etwas frittiertem Hühnchen, Obst, einem Onigiri und etwas zu trinken.

Außerdem gönnte ich mir eine große Portion Erdbeeren.

Der Park war wunderschön.

Eine elegante rote Brücke führte über das Wasser, überall schwammen Seerosen, und zwischen ihnen tummelten sich zahlreiche Karpfen, die in Japan als Glücksbringer gelten.

An einem besonders schönen und ruhigen Platz machte ich eine Pause und genoss meine kleine Mahlzeit.

Immer wieder kamen Schulklassen mit kleinen Kindern vorbei.

Die Kleinen waren vielleicht vier oder fünf Jahre alt, liefen brav in Zweierreihen und hielten sich an den Händen.

Vor lauter Aufregung plapperten sie ohne Unterbrechung und verbreiteten eine wunderbare, fröhliche Stimmung.

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📷 Foto: Die rote Brücke, Seerosen und Karpfen im Park

Gegen 15 Uhr meldete sich mein Magen erneut.

Ich beschloss, schon einmal in das Gebäude des Harukas 300 zu gehen und eines der vielen Restaurants auszuprobieren.

Wie bereits an anderen Orten gab es auch hier wieder große Schautafeln mit Bildern sämtlicher Gerichte.

So konnte ich mir schnell ein Restaurant aussuchen und in die richtige Etage fahren.

Meine Wahl erwies sich als hervorragend.

Das Restaurant war geschmackvoll eingerichtet, mit typisch japanischer Dekoration und einer angenehmen Atmosphäre.

Ich fühlte mich sofort wohl.

Mithilfe des Google-Übersetzers wusste ich schnell, was ich bestellen wollte.

Diesmal entschied ich mich für eingelegte Makrele mit Reis, einer Suppe und herrlichem Gemüse.

Und natürlich gehörte inzwischen auch ein Bier ganz selbstverständlich dazu.

Das Essen war ausgezeichnet.

📷 Foto: Mittagessen im Harukas 300

Als ich fertig war, zeigte die Uhr etwa 16:30 Uhr.

Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Jetzt oder nie.

Ich suchte den Eingang zu den Aufzügen, die direkt auf die Aussichtsplattform in 300 Metern Höhe führten.

Als ich mich orientierte, stellte ich fest, dass ich über sechzig Etagen hinauffahren würde – und das zum Teil mit Glaswänden und freiem Blick nach draußen.

Für mich war das zunächst etwas zu viel.

Ich drehte mich mit dem Rücken zu den Scheiben, damit ich nicht hinausschauen musste, und fixierte meinen Blick ausschließlich auf die Auszugstür.

Die anderen Besucher waren begeistert und blickten natürlich genau in die entgegengesetzte Richtung.

Dann war es soweit.

Der Aufzug stoppte auf der obersten Etage.

Hinter mir standen etwa fünfzehn Menschen, die unbedingt hinauswollten.

Und ich?

Ich wollte eigentlich gar nicht hinaus.

Aber ich musste.

Also holte ich tief Luft, schloss die Augen und rollte langsam nach draußen.

Ich spürte, wie die Menschen hinter mir aus dem Fahrstuhl strömten und an mir vorbeigingen.

Sie waren voller Vorfreude und wollten möglichst schnell die Aussicht genießen.

Ich dagegen blieb vorsichtig stehen.

Ich traute mich nicht, die Augen zu öffnen.

Für einen kurzen Moment stand ich einfach nur da und versuchte, meine Atmung zu beruhigen.

Ich hörte die Stimmen der anderen Besucher, ihr Staunen und ihre Begeisterung über die Aussicht.

Und ich stand mitten in diesem Geschehen, mit geschlossenen Augen, und musste erst einmal den Mut finden, den nächsten Schritt zu machen.

Schließlich öffnete ich vorsichtig die Augen.

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Zentimeter für Zentimeter bewegte ich mich vorwärts.

Um mich herum waren nur noch riesige Glasfronten.

Ich fixierte meinen Blick ganz bewusst auf den Horizont, damit ich gar nicht erst wahrnahm, in welcher Höhe ich mich tatsächlich befand.

Nach einer Weile wurde es besser.

Und ich traute mir immer mehr zu.

Ich rollte etwas schneller und selbstbewusster über die Aussichtsplattform.

Da sprach mich plötzlich ein Japaner an und fragte freundlich, ob er ein Foto von mir machen solle.

„Ja, natürlich. Sehr gerne!“

Ich positionierte mich ungefähr zwei Meter von der Fensterfront entfernt.

Doch der freundliche Japaner wollte unbedingt, dass das Foto perfekt wird.

Mit Gesten deutete er mir an, noch etwas weiter zurückzufahren.

Immer näher an die Glasscheibe.

Ich dachte sofort an die Tiefe.

Nein.

Das wollte ich eigentlich nicht.

Doch er meinte es nur gut und war überzeugt, dass das Bild so schöner werden würde.

Schließlich schob er meinen Rollstuhl vorsichtig weiter zurück.

Immer weiter.

Bis direkt an die Scheibe.

Ich hielt die Luft an.

Dann spürte ich plötzlich den Widerstand hinter mir.

Ich war tatsächlich direkt an der Fensterfront angekommen.

Die Tiefe lag glücklicherweise in meinem Rücken.

Ich schaute nur nach vorne und versuchte zu lächeln.

Das Foto war schnell gemacht.

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📷 Foto: Erinnerungsfoto auf dem Harukas 300

Und ich war ehrlich gesagt sehr erleichtert, als ich wieder etwas Abstand gewinnen konnte.

Meine ganz persönliche Konfrontationstherapie

Doch die eigentliche Konfrontationstherapie sollte erst noch kommen.

Nach einigen Minuten fasste ich allen Mut zusammen.

Langsam.

Ganz langsam.

Ich rollte wieder Richtung Fenster.

Es fühlte sich an, als würde ich über rohe Eier fahren.

Noch ein Meter.

Dann fünfzig Zentimeter.

Und schließlich stießen die Fußstützen meines Rollstuhls gegen die Glasscheibe.

Ich war wie gelähmt.

Vorsichtig beugte ich mich nach vorne und legte meine Stirn an das Glas.

Und plötzlich konnte ich dreihundert Meter senkrecht nach unten schauen.

Ich sah die winzigen Autos.

Die kleinen Menschen.

Die Straßen.

Für einen Moment stockte mir der Atem.

Doch dann merkte ich etwas Erstaunliches:

Ich konnte es aushalten.

Es waren wahrscheinlich nur Sekunden oder höchstens eine Minute.

Für mich fühlte es sich jedoch wie eine Ewigkeit an.

Als ich langsam wieder zurückrollte, merkte ich, wie die Anspannung nachließ.

Ich hatte es geschafft.

Und ich war stolz auf mich.

Für mich war das eine ganz persönliche Konfrontationstherapie.

Sonnenuntergang über Osaka

Danach hatte ich mir eine Belohnung verdient.

Eine Etage tiefer befand sich ein wunderschöner Außenbereich mit Tischen und Sitzgelegenheiten.

Im Hintergrund spielte entspannte, fast meditative Musik.

Ich setzte mich, trank etwas und schrieb die Erlebnisse des Tages in mein Reisetagebuch.

Vor mir warteten viele Menschen auf den Sonnenuntergang.

Langsam verschwand die Sonne hinter der Stadt.

Die Farben wurden wärmer.

Gold.

Orange.

Rot.

Und schließlich wurde es dunkel.

Nach und nach gingen die Lichter an.

Die Hochhäuser.

Die Straßen.

Die Türme.

Ganz Osaka begann zu leuchten.

Ein unendliches Lichtermeer breitete sich vor mir aus.

Ein Anblick, den ich niemals vergessen werde.

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Als es vollkommen dunkel war, wagte ich mich noch einmal direkt an die Fensterfront.

Diesmal fiel es mir deutlich leichter.

Die beleuchteten Straßen tief unter mir wirkten fast unwirklich.

Für einen Moment kam ich mir vor wie in einem Science-Fiction-Film.

Video: Osaka bei Nacht vom Harukas 300

Als würde ich hoch über einer futuristischen Megastadt schweben.

Und genau deshalb wird mir dieser Abend auf dem Harukas 300 für immer in Erinnerung bleiben.

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Foto: Harukas 300, oben leuchtet die Glasgalerie

Ein ungeplanter Abend in Shinsekai

Nun wurde es langsam Zeit, nach Hause zu gehen.

Es war inzwischen dunkel geworden.

Die Lichter der Stadt waren wunderschön, aber ich merkte auch, dass ich langsam müde wurde.

Eigentlich wollte ich direkt zum Hotel zurück.

Doch wie so oft in Japan verlief ich mich um zwei Straßen.

Und plötzlich stand ich vor dem Tsutenkaku-Turm und dem Viertel Shinsekai.

Hier war noch unglaublich viel Leben.

Bunte Lichter und Reklameschilder leuchteten in allen Farben.

Die Häuser waren älter, niedriger und die Gassen enger als im modernen Osaka.

Überall hörte ich Musik.

Menschen lachten.

Vor den Restaurants saßen Gäste draußen und genossen ihren Feierabend.

Es war eine wunderschöne Atmosphäre.

Der Tsutenkaku-Turm selbst war beeindruckend.

Nicht besonders hoch, aber unverwechselbar mit seinem großen, leuchtenden HITACHI-Schriftzug.

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Ich konnte direkt unter ihm hin durchrollen und einen Moment innehalten.

Anschließend führte mich mein Weg weiter durch den Shinsekai-Markt.

Die meisten Geschäfte hatten bereits geschlossen.

Es war deutlich ruhiger geworden.

Und doch lag noch immer eine ganz besondere Stimmung in der Luft.

Feierabend in Osaka

Es war ein langer und aufregender Tag.

Die letzten fünf Kilometer wollte ich nicht mehr mit dem Rollstuhl zurücklegen.

Also nahm ich die U-Bahn.

Es waren ohnehin nur noch zwei oder drei Stationen.

Ich stieg in einer Querstraße, etwa fünfhundert Meter von meinem Hotel entfernt, wieder aus.

Auf dem letzten Stück schaute ich immer wieder in die kleinen Restaurants und Kneipen.

Überall saßen Menschen zusammen.

Sie lachten.

Sie aßen.

Sie tranken.

Sie genossen ihren Feierabend mit Freunden und Arbeitskollegen.

Natürlich durfte auch der letzte Besuch im Konbini nicht fehlen.

Schnell noch etwas fürs Frühstück kaufen.

Und dann war ich wieder gesund und glücklich in meinem Hotel angekommen.

Dies war ohne Zweifel einer der aufregendsten und schönsten Tage meiner gesamten Zeit in Osaka.

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13.05. – Eine Reise in die Tiefsee und ein Abend in Dōtonbori

Heute ging es in die Tiefsee.

Nachdem ich im Hotel gemütlich gefrühstückt hatte – natürlich wieder mit einem Stück Baumkuchen, einem Sandwich, etwas Obst und einem Kaffee – machte ich mich auf den Weg in den Süden von Osaka.

Mein Ziel war das berühmte Kaiyukan, eines der größten und schönsten Aquarien der Welt.

Es liegt direkt am Hafen von Osaka und ich freute mich schon seit Tagen auf diesen Besuch.

Ich nahm die Chūō-Linie, die grüne U-Bahn-Linie, direkt in der Nähe meines Hotels.

Den Eingang fand ich schnell, und schon kurze Zeit später saß ich im Zug.

Anfangs raste die U-Bahn wie gewohnt durch die Unterwelt Osakas. Doch nach einiger Zeit tauchte sie ans Tageslicht auf und ich konnte die Stadt endlich einmal aus den Fenstern beobachten.

Je weiter wir Richtung Hafen fuhren, desto mehr veränderte sich das Stadtbild.

Die Häuser wurden kleiner.

Die Straßen schmaler.

Die Gebäude niedriger.

Kurz vor der Endstation hatte ich fast das Gefühl, durch ein kleines Dorf zu fahren und nicht mehr durch eine Millionenstadt.

Diese Veränderung fand ich unglaublich spannend.

Nach meiner Ankunft führten mehrere Brücken und Rampen von der Station hinunter auf die Straßen.

Ich war offensichtlich nicht der Einzige mit diesem Ziel.

Viele Familien, Paare und Reisegruppen gingen denselben Weg.

Schon nach wenigen Minuten sah ich das riesige Riesenrad und den Freizeitpark Tempozan, der direkt neben dem Aquarium liegt.

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Die Vorfreude wurde immer größer.

Der Eingang war allerdings gar nicht so leicht zu finden, da er sich auf einer höheren Ebene befand.

Durch ein Parkhaus gelangte ich schließlich dorthin.

Ein freundlicher Mitarbeiter half mir sofort weiter und zeigte mir den richtigen Weg.

Vor dem Eingang hatten sich bereits lange Schlangen gebildet.

Es war inzwischen richtig warm geworden.

Die Sonne brannte vom Himmel.

Beim Ticketschalter erfuhr ich, warum so viele Menschen warteten.

Der Einlass erfolgt im Kaiyukan in festen Zeitfenstern.

Etwa alle dreißig Minuten wird eine neue Besuchergruppe eingelassen, damit sich die Menschenmengen im Aquarium gut verteilen.

Ich hatte also noch etwas Zeit.

Also vertrat ich mir – oder besser gesagt – meinem Rollstuhl die Beine.

Ja, Rollstuhlfahrer dürfen solche Witze machen.

Auf dem Vorplatz standen viele Bänke unter Sonnensegeln.

Überall waren liebevoll gestaltete Figuren aus der Welt der Ozeane.

Oktopusse.

Krabben.

Delfine.

Walhaie.

Alle machten sofort Lust auf das, was mich gleich erwarten würde.

Direkt nebenan befand sich das Tempozan-Freizeitzentrum mit Restaurants, Geschäften, Legoland und natürlich – wie so oft in Japan – einem riesigen Riesenrad.

Mir war sofort klar:

Nach dem Aquarium würde ich hier zu Mittag essen.

Und ich hatte schon einen ganz bestimmten Wunsch.

Im Aquarium führte mich das Personal zu Beginn über einige nicht öffentliche Gänge und mehrere Aufzüge direkt in die achte Etage.

Von dort beginnt der Rundgang.

Und genau das macht dieses Aquarium so besonders.

Man startet ganz oben und taucht anschließend langsam, Etage für Etage, immer tiefer in die Welt der Ozeane ein.

Von Becken zu Becken rollte ich langsam weiter.

Zunächst begegnete ich Seelöwen.

Sie lagen gemütlich auf ihren Felsen, dösten in der Sonne oder spielten ausgelassen miteinander.

Die riesigen Unterwasserfenster ließen ihre Welt unglaublich nah erscheinen.

Anfangs dachte ich sogar, die Becken seien gar nicht besonders groß.

Doch dann verschwanden die Tiere plötzlich in der Tiefe.

Erst da wurde mir bewusst, wie gigantisch diese Anlage eigentlich ist.

Schließlich erstreckt sie sich über acht Etagen.

Je tiefer ich kam, desto dunkler wurde es.

Langsam tauchte ich in die Tiefsee ein.

Und plötzlich blieb ich stehen.

Vor mir befanden sich riesige Panoramascheiben, die sich über mehrere Etagen erstreckten.

Majestätisch glitten riesige Rochen durch das Wasser.

Mit Spannweiten von vier oder fünf Metern schwebten sie lautlos und majestätisch an mir vorbei.

Video: Walhai

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Es folgten Haie.

Hammerhaie.

Viele andere beeindruckende Meeresbewohner.

Und dann sah ich sie.

Die Walhaie.

Die größten Fische der Erde.

Video: Mantarochen

Video: Walhai

📷 Fotos: Walhaie, Rochen und die riesigen Panoramascheiben des Kaiyukan

Zwei gewaltige Tiere schwammen völlig ruhig ihre Bahnen.

Mit ihren breiten Mäulern, den markanten Punkten und Streifen wirkten sie gleichzeitig mächtig und friedlich.

Ich schätze, sie waren acht bis zehn Meter lang.

Ich konnte den Mund kaum wieder schließen.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort gestanden habe.

Ich vergaß die Zeit völlig.

Es hatte fast den Eindruck, als würde die Zeit selbst langsamer vergehen.

Diese gewaltigen Tiere bewegten sich so ruhig und majestätisch, dass ich mich ihnen kaum entziehen konnte.

Erst nach langer Zeit riss ich mich von diesem Anblick los.

Je weiter ich nach unten kam, desto faszinierender wurde die Perspektive.

Nun schaute ich von unten nach oben.

Die riesigen Rochen glitten hoch über meinem Kopf vorbei und verdunkelten für einen kurzen Moment das Licht.

Es sah aus, als würden sie schwerelos durch eine andere Welt fliegen.

Ein wunderschöner Anblick.

Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichte ich schließlich wieder das Tageslicht.

Doch gedanklich war ich noch immer tief unten im Meer.

Die Bilder der Walhaie und Rochen gingen mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Jetzt meldete sich allerdings mein Magen.

Und zwar sehr deutlich.

Es war Zeit für mein persönliches kulinarisches Highlight.

Keine Diskussion.

Keine Alternativen.

Heute sollte es endlich wieder Okonomiyaki geben.

Ich ging ins berühmte Restaurant Botejyu Tempozan Store.

Schon vor dem Eingang standen – wie so oft in Japan – die kunstvoll nachgebildeten Speisen in den Schaufenstern.

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Und genau dort entdeckte ich meinen Favoriten.

Okonomiyaki mit Bacon und Garnelen.

Genau den wollte ich haben.

Im Restaurant führte mich ein freundlicher Mitarbeiter zu meinem Platz.

Vor mir befand sich eine große, in den Tisch eingelassene Grillplatte.

Sie war ungefähr einen Meter lang und richtig heiß.

Also musste ich gut aufpassen.

Nach meiner Bestellung begann direkt vor meinen Augen die Zubereitung.

Ein Koch mischte Kohl, Ei und Gewürze immer wieder sorgfältig miteinander.

Dann kamen Bacon und Garnelen hinzu.

Schließlich stürzte er die gesamte Schüssel kopfüber auf die heiße Platte.

Vor mir lag nun ein dicker, fluffiger Pfannkuchen.

Immer wieder kam der Koch zurück, schob alles zusammen und drehte den Okonomiyaki nach einigen Minuten vorsichtig um.

Die Unterseite war inzwischen herrlich goldbraun geworden.

Kurz darauf erschien eine junge Mitarbeiterin.

Sie würzte alles nach, legte Udon-Nudeln darauf und verteilte anschließend großzügig Okonomiyaki-Soße mit einem breiten Pinsel.

Zum Schluss tanzten die feinen Bonitoflocken durch die aufsteigende Hitze auf meinem Essen.

Foto / Video: der fertige Okonomiyaki

Ich bekam meinen kleinen Spachtel und die Stäbchen.

Dann begann der Genuss.

Ich teilte den Okonomiyaki Stück für Stück und genoss jeden einzelnen Bissen ganz bewusst.

Irgendwie wusste ich, dass es noch lange dauern würde, bis ich wieder einen echten Okonomiyaki in Japan essen würde.

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📷 Foto: Die letzte Hälfte des Okonomiyaki auf der heißen Grillplatte / Eine Mischung aus Kohl, Teig, Nudeln Ei und speziellen Soßen und Gewürzen

Langsam wurde es Abend.

Und jetzt wartete das wohl bekannteste Viertel Osakas auf mich.

Dōtonbori

Je näher ich dem Kanal kam, desto lebendiger wurde die Stadt.

Musik erklang aus allen Richtungen.

Straßenkünstler traten auf.

Überall blinkten Leuchtreklamen.

Riesige bewegliche Krabben, Drachen und andere Figuren ragten über den Straßen und warben für Restaurants.

Ich wusste überhaupt nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte.

Natürlich ging ich auch über die berühmte Brücke, auf der unzählige Menschen Fotos machten.

Auch ich ließ mich fotografieren und machte Erinnerungsbilder.

Von allen Seiten strömten herrliche Düfte in meine Nase.

Und natürlich bekam ich schon wieder Hunger.

Dann entdeckte ich sie.

Takoyaki.

Die berühmten Teigbällchen mit Tintenfisch.

Ich stellte mich sofort an.

Wie so oft musste man zunächst am Automaten ein kleines Ticket kaufen.

Dieses gab ich in der Küche ab.

Kurze Zeit später hielt ich eine dampfend heiße Schale Takoyaki in den Händen.

📷 Foto: Takoyaki in Dōtonbori

Mit Soße.

Mayonnaise.

Und Bonitoflocken, die sich durch die Hitze wie von selbst bewegten.

Außen herrlich knusprig.

Innen unglaublich weich.

Und der Tintenfisch perfekt gegart.

Aber glaubt mir:

Habt Geduld.

Diese kleinen Kugeln sind unverschämt heiß.

Man verbrennt sich nicht nur die Zunge.

Ich schlenderte noch eine ganze Weile durch Dōtonbori.

Immer neue Geschäfte.

Immer neue Restaurants.

Immer neue Gerüche.

Überall Musik.

Gelächter.

Und fröhliche Menschen.

Langsam ließ ich den Blick noch einmal über die bunten Leuchtreklamen schweifen.

Ich versuchte, all das ganz bewusst in mir aufzunehmen.

Die Gerüche.

Die Musik.

Das Stimmengewirr.

Das Lachen der Menschen.

Die riesigen Reklamefiguren.

Denn tief in meinem Inneren wusste ich:

Genau solche Momente sind es, die eine Reise unvergesslich machen.

Langsam machte ich mich zufrieden auf den Heimweg in mein kleines Hotel, das The Lively Osaka Honmachi.

Es war wieder einer dieser Tage gewesen, an denen ich abends im Bett lag und dachte:

Genau deshalb bin ich nach Japan gereist.

Gute Nacht.

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14.05. – Das Löwenmaul, ein Umweg zur Aussicht und mein kleiner Triumph im Umeda Sky Building

Nach einem langen und ausgiebigen Schlaf beschloss ich, es heute etwas ruhiger angehen zu lassen.

Mein erstes Ziel war der Namba Yasaka Schrein.

Mittlerweile kannte ich mich schon ziemlich gut mit dem U-Bahn-Netz von Osaka aus.

Natürlich erst, nachdem ich mich oft genug verlaufen hatte.

Ihr wisst ja inzwischen Bescheid.

Ich fand schnell die richtige Linie und machte mich auf den Weg nach Namba.

Es war noch früh am Morgen, doch den Schrein zu finden, war gar nicht so einfach. Er lag versteckt in einem Stadtteil mit kleinen, niedrigen Wohnhäusern – wie eine grüne Oase mitten zwischen den Gebäuden.

Das nächste Problem war der Zugang.

Von mehreren Seiten führten nur Treppen hinauf.

Also kreiste ich einige Minuten zwischen den Häusern umher, bis ich schließlich einen Eingang fand, der nur leicht anstieg und vollkommen ohne Stufen zu erreichen war.

Geschafft.

Obwohl es erst 9:30 Uhr war, waren bereits einige Besucher dort.

Und dann sah ich ihn.

Den riesigen Löwenkopf.

Ich musste wirklich staunen.

Der Schrein sah aus wie ein gigantisches Löwenmaul.

Große Augen, ein weit aufgerissenes Maul und lange Zähne.

Direkt im Inneren des Mauls befand sich der Schrein.

Es war ein ungewöhnlicher und beeindruckender Anblick.

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📷 Foto: Der riesige Löwenkopf des Namba Yasaka Schreins

Auch in einem größeren Nebengebäude gab es einiges zu sehen.

Die Menschen traten vor den Schrein, klatschten in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Gottheiten auf sich zu lenken, legten anschließend die Handflächen aneinander und sprachen leise ihre Gebete.

Die Atmosphäre war ruhig und besinnlich.

An einer Seite befanden sich große Wände, an denen Hunderte kleine Holztafeln hingen.

Wunschtafeln.

Sie waren wunderschön gestaltet und bemalt. Auf die Rückseite schrieben die Besucher ihre Wünsche und Hoffnungen und hängten sie anschließend dort auf.

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Auch ich kaufte mir eine solche Tafel.

Und plötzlich merkte ich, dass es gar nicht so einfach war, einen Wunsch darauf zu schreiben.

Wenn man nur einen Wunsch frei hat – welcher ist dann der richtige?

Welcher ist der Wichtigste?

Ich saß eine Weile da und dachte darüber nach.

Natürlich hatte ich viele Wünsche.

Aber wenn man sich entscheiden muss, beginnt man plötzlich darüber nachzudenken, was einem im Leben wirklich wichtig ist.

Irgendwann wusste ich, was ich schreiben wollte.

Ich schrieb meinen Wunsch auf die Tafel und hängte sie zu den vielen anderen.

Hunderte Wünsche nebeneinander.

Und irgendwo dazwischen hing nun auch meiner.

Was ich mir gewünscht habe?

Das behalte ich für mich.

Die Tafeln werden später in einer Zeremonie verbrannt.

Der Rauch steigt in den Himmel und soll die Wünsche zu den Gottheiten tragen.

Ob mein Wunsch irgendwann in Erfüllung geht?

Wer weiß.

Ich blieb noch einige Zeit im Schatten sitzen und genoss die Ruhe.

Dann machte ich mich wieder auf den Weg.

Zurück nach Umeda

Mein nächstes Ziel lag weiter im Norden Osakas.

Umeda City.

Diesen Teil der Stadt kennt ihr bereits aus meiner Erzählung.

Die Grand Front Osaka, die modernen Gebäude, die Parkanlagen und die vielen jungen Menschen, die dort am Abend auf Decken saßen und gemeinsam ihre Zeit genossen.

Beim letzten Besuch hatte ich bereits das Umeda Sky Building gesehen.

Damals spiegelte sich die Abendsonne wunderschön in seiner Glasfassade.

Heute wollte ich endlich hinauf.

Nach meinem Erlebnis auf dem Harukas 300 hatte ich schließlich einiges an Mut gewonnen.

Dachte ich zumindest.

Als ich aus dem Bahnhofsgebäude trat, begrüßte mich natürlich wieder mein alter Bekannter.

Der giftgrüne Bär.

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Noch immer saß er dort, stützte sich mit den Armen nach hinten ab und spuckte in einem weiten Bogen eine Wasserfontäne über das Becken.

Ich rollte direkt in Richtung Umeda Sky Building.

Schon von Weitem sah das Gebäude beeindruckend aus.

Wie ein riesiges, auf den Kopf gestelltes U.

Nach einigen hundert Metern stand ich direkt davor.

Und ich war fest entschlossen, nach oben zu fahren.

Bis ich die Aufzüge sah.

Außenaufzüge.

Hoch oben an der Fassade.

„Oh nein. Oh nein, Thomas. Lass es sein.“

Genau das dachte ich.

Dann schaute ich noch weiter nach oben.

Dort verliefen zwei lange, diagonal angeordnete Röhren durch die Luft.

Vollständig mit Glas umschlossen.

Rolltreppen.

Tatsächlich.

Rolltreppen, die hoch oben zwischen den beiden Gebäudeteilen verliefen.

Als ich das sah, war meine Entscheidung eigentlich gefallen.

Nein. Niemals.

📷 Foto: Das Umeda Sky Building mit dem Aussenaufzug und den gläsernen Rolltreppen

Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben.

Ich rollte in den Haupteingang des Gebäudes und schaute mich um.

Direkt vor meiner Nase fuhr wieder einer dieser kleinen Roboter vorbei, die ich inzwischen schon an vielen Orten gesehen hatte.

Für einen kurzen Moment kam ich mir vor wie bei „Star Wars“.

An großen Tafeln waren die Unternehmen aufgelistet, die sich im Gebäude befanden.

Ich schaute mir die Namen an.

Und plötzlich blieb mein Blick an einem Eintrag hängen.

Das Deutsche Generalkonsulat in Osaka.

Weit oben im Gebäude.

Ich überlegte kurz.

Warum eigentlich nicht?

Was sollte schon passieren?

Im schlimmsten Fall würde mir jemand sagen, dass ich hier falsch war, und mir zeigen, wo der Aufzug nach unten ist.

Das Entscheidende war:

Die Aufzüge zu dieser Etage waren geschlossen.

Keine Glaswände.

Keine Aussicht nach draußen.

Perfekt.

Kurzerhand rollte ich zum Aufzug und fuhr nach oben.

Die Fahrt war ruhig und angenehm.

Kein Blick in die Tiefe.

Keine Panik.

Dann machte es „Ping“.

Eine Stimme sagte mir auf Japanisch, dass ich angekommen war.

Die Türen öffneten sich.

Mein kleiner Umweg zur Aussicht

Ich befand mich nun auf der Etage, in der auch das Deutsche Generalkonsulat untergebracht war.

Vor mir lagen ein ruhiger Warte- und Flurbereich, breite Fenster und viele Stühle.

Niemand nahm Notiz von mir.

Genauso hatte ich es mir gewünscht.

Ich rollte zu den Fenstern.

Und dann musste ich lächeln.

Ich befand mich genau auf der Höhe der gläsernen Rolltreppen, die diagonal durch den oberen Teil des Gebäudes verliefen.

Mehr wollte ich gar nicht.

Von hier hatte ich einen wundervollen Ausblick auf den gegenüberliegenden Teil des Gebäudes.

📷 Foto: Blick auf die gläsernen Rolltreppen und die Spiegelungen Osakas, im Hintergrund Grand Front Osaka

Das Umeda Sky Building besteht aus zwei Türmen, die oben miteinander verbunden sind.

Ich befand mich auf einer Seite und konnte an den diagonalen Rolltreppen vorbei auf die andere Seite schauen.

In der Glasfassade spiegelte sich halb Osaka.

Es war fantastisch.

Und das Beste:

Kein Mensch nahm Notiz von mir.

Ich zog mir ein Getränk aus dem Automaten, setzte mich an eines der großen Fenster und blieb bestimmt eine Stunde dort.

Ich schaute einfach hinaus.

Ganz in Ruhe.

Ohne Gedränge.

Und vor allem ohne diese gläsernen Rolltreppen.

Innerlich musste ich die ganze Zeit grinsen.

Ich hatte einen Weg gefunden, die Aussicht zu genießen, ohne mich meiner Höhenangst noch einmal stellen zu müssen.

Die anderen Touristen fuhren auf die Aussichtsplattform.

Ich saß mit meinem Getränk am Fenster und war genauso zufrieden.

Foto: Selfie, das Fenster war zu hoch.

Manchmal muss man eben seinen eigenen Weg finden.

Nudelsuppe, Tempura und eine scharfe Überraschung

Nach einer Weile hatte ich genug gesehen und machte mich wieder auf den Weg zur Grand Front Osaka.

Ich bummelte noch etwas durch die Gebäude und Geschäfte.

Langsam bekam ich Hunger.

Ihr wisst inzwischen, wie es funktioniert.

Ein Blick auf die großen Tafeln mit den Restaurants und den Bildern der Speisen – und die Entscheidung war schnell getroffen.

Foto: Bildertafel aller Restaurants im Gebäude Grand Osaka

Diesmal fiel meine Wahl auf das Restaurant Ohitsu Gohan Shirokujichu.

Ich studierte die Speisekarte und bestellte eine schlichte Nudelsuppe.

Dazu frittiertes Hühnchen und frittierte Pilze in Tempura.

Das war für mich neu.

Ich war gespannt.

Und ich muss sagen:

Es war erstklassig.

Die warme, schlichte Nudelsuppe und dazu das knusprige Hühnchen und die Pilze – eine hervorragende Kombination.

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Eine freundliche Bedienung stellte mir zusätzlich japanischen Pfeffer auf den Tisch.

Nun ja.

Ich dachte mir:

Warum nicht?

Ich probierte ihn.

Und deshalb kann ich euch an dieser Stelle nur warnen:

Japanischer Pfeffer kann verdammt scharf sein.

Immer schön links

Mittlerweile war es schon wieder spät geworden.

Etwa 18:30 Uhr.

Ich machte mich langsam auf den Heimweg.

Dabei fiel mir wieder etwas auf, woran ich mich inzwischen ziemlich gewöhnt hatte.

In vielen Bereichen orientierten sich die Fußgänger links.

Für jemanden aus Deutschland ist das anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig.

In den ersten Tagen musste ich immer wieder überlegen, auf welcher Seite ich mich halten sollte.

Aber inzwischen hatte ich mich daran gewöhnt.

Ich hielt mich brav links.

Und genau deshalb ärgerte ich mich mittlerweile über Touristen und Neuankömmlinge, die das noch nicht verinnerlicht hatten und mir ständig entgegenkamen.

Da war ich nun.

Ein deutscher Tourist, seit wenigen Tagen in Japan.

Und schon regte ich mich über die anderen Touristen auf.

Ich musste selbst darüber lachen.

Ohne Konbini geht es nicht

Als ich aus der U-Bahn kam, führte mein letzter Weg natürlich wieder in einen Konbini.

Diesmal war es, glaube ich, ein Lawson.

Ein paar Sandwiches.

Fruchtsaft.

Joghurt.

Etwas Obst für das Frühstück am nächsten Morgen.

Foto: Einkauf und Abendessen aus dem 7-Eleven, kleine Papiertütchen mit frittiertem Hühnchen.

Ihr kennt die Prozedur inzwischen.

Die vertrauten Stimmen aus den Lautsprechern und Kassensystemen.

Die kleinen Melodien.

Das Piepen der Geräte.

Am Bildschirm die Zahlungsmethode auswählen.

Bezahlen.

Und zurück ins Hotel.

Ich glaube inzwischen wirklich:

Konbinis sind für Touristen lebenserhaltend.

Als ich schließlich wieder in meinem Hotelzimmer war, dachte ich noch einmal an diesen Tag zurück.

An das riesige Löwenmaul.

An die vielen Wunschtafeln.

Und natürlich an meinen kleinen Umweg im Umeda Sky Building.

Eigentlich wollte ich es heute ruhig angehen lassen.

Naja.

Für meine Verhältnisse war es wahrscheinlich tatsächlich ein ruhiger Tag.

Gute Nacht.

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15.05. – Die weiße Burg, der Pazifik und ein Ort, an dem ich die Zeit vergaß

Heute hatte ich mir etwas ganz Besonderes vorgenommen.

Ich wollte zur Burg Himeji fahren, einem japanischen Nationalheiligtum und UNESCO-Weltkulturerbe.

Also los.

Zuerst mit der Midosuji-Linie und anschließend weiter mit der Tokaido-Sanyo-Linie.

Die gesamte Fahrt sollte ungefähr eine Stunde und fünfzig Minuten dauern.

Am Bahnhof in Osaka kaufte ich mir noch eine der berühmten Bento-Boxen für unterwegs.

Foto: Auswahl von verschiedenen Bento-Boxen. Keine Sorge, diese Ausstellung ist nur ein Beispiel und nur Dekoration.

Viel Gemüse, Fisch, Reis und andere kleine Köstlichkeiten waren darin liebevoll angerichtet.

Sogar ein kleines Kühlpäckchen wurde beigelegt, damit während der längeren Zugfahrt alles frisch und kühl blieb.

Ich hatte einen guten Sitzplatz bekommen und konnte wunderbar aus dem Fenster schauen.

Diesmal ging es von Osaka aus Richtung Westen.

Langsam blieb das dichte Stadtgebiet hinter mir.

Und irgendwann sah ich das Meer.

Je weiter wir fuhren, desto näher kam die Bahn an die Küste heran. Kleine Orte, Strände und Wälder wechselten sich ab.

Die Fahrt führte auch durch Kobe, eine Stadt, die durch das schwere Erdbeben von 1995 große Zerstörungen erlebt hatte.

Heute war davon nichts mehr zu sehen.

Ich schaute aus dem fahrenden Zug in die Straßen der Stadt und ließ die Landschaft an mir vorbeiziehen.

Nach einer Weile waren wir ganz dicht am Meer.

Ich sah hinaus.

Diese Weite.

Die Farbe des Himmels.

Die Wolken.

Das Wasser.

Und plötzlich wurde mir etwas bewusst.

Das ist der Pazifik.

Ja.

Der Pazifik.

Ich schaute hinaus und musste lächeln.

Zwischen mir und dem amerikanischen Kontinent lag dieser gewaltige Ozean.

📷 Foto: Blick aus dem Zug auf das Meer

Natürlich gab es dazwischen noch Inseln und Inselgruppen – aber in diesem Moment war das vollkommen unwichtig.

Ich strahlte.

Ich grinste mal wieder über beide Backen.

Einfach nur, weil ich plötzlich begriffen hatte, worauf ich da eigentlich schaute.

Es war der Pazifik.

Eine Bento-Box im Schatten

Als ich in Himeji ankam, fand ich schnell den Weg nach draußen.

In einer kleinen Grünanlage entdeckte ich einen schönen Platz im Schatten.

Ich setzte mich an eine Bank und packte genüsslich meine Bento-Box aus.

📷 Foto: Meine Bento-Box in Himeji

Conger-Aal.

Gemüse.

Salat.

Reis.

Die Stäbchen waren natürlich beigelegt.

Das Essen war kühl und wurde kalt gegessen.

Ich begann zu essen.

Und je länger ich mir Zeit ließ, desto mehr nahm ich die unterschiedlichen Gewürze, die Konsistenz und den Geschmack wahr. Es war etwas Besonderes. Und es schmeckte herrlich.

Ich saß im Schatten, aß meine Bento-Box und freute mich auf das, was noch vor mir lag.

Der erste Blick auf die weiße Burg

Nun ging es weiter.

Als ich auf den Vorplatz des Bahnhofs rollte, lag vor mir eine lange, gerade Straße.

Links und rechts Geschäfte.

Einige Bäume.

Seltsame, bunte Laternen.

Und ganz am Ende dieser Straße sah ich sie bereits.

Sie leuchtete in der Sonne.

Die weiße Burg Himeji.

Ich musste nur noch geradeaus.

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Je näher ich kam, desto gewaltiger wurde die gesamte Anlage.

Nach einem schönen Spaziergang stand ich schließlich am Fuß der Burganlage.

Riesige Wassergräben.

Steile Mauern.

Große Tore.

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📷 Foto: Die weiße Burg Himeji

Allein diese Kulisse versetzte mich fast zurück in das Japan des Mittelalters. Es dauerte nicht lange, und ich stand direkt vor der Burg.

Hoch über allem thronte die weiße Hauptburg.

Die ersten Gebäude der Burg wurden zu Beginn der Muromachi-Zeit im Jahr 1346 erbaut. Als Architekt gilt Akamatsu Sadanori, der zuvor den Shomyoji-Tempel am Fuße des Berges Himeji gebaut hatte, an dessen Stelle nun die Burganlage entstand.

Die größte Erweiterung, die oft auch als eigentlicher Baubeginn Himeji-jōs bezeichnet wird, fand 1580 statt, als Toyotomi Hideyoshi die Burg übernahm und dreistöckige Burgtürme erbauen ließ.

Die gesamte Anlage bestand aus unzähligen Gebäuden, Mauern, Toren und Verteidigungsanlagen.

Sie ragte auf dem Hügel empor und sah tatsächlich fast aus, als würde sie auf einem riesigen steinernen Thron sitzen.

Ich rollte langsam um die Anlage herum.

Zwischendurch suchte ich mir Plätze im Schatten der Bäume und schaute immer wieder hinauf.

Diese Burg war wirklich wunderschön.

Wäre ich nicht selbst dort gewesen, hätte ich bei manchen Bildern wahrscheinlich geglaubt, dass sie mit künstlicher Intelligenz erzeugt worden wären.

So perfekt sah diese Kulisse aus.

Eine andere Entscheidung

Der weitere Weg hinauf in die Burg war für mich mit dem Rollstuhl zu beschwerlich.

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Natürlich war ich etwas enttäuscht.

Aber ich hatte eine Alternative.

Direkt neben der Burganlage befanden sich die Kōko-en-Gärten.

Also machte ich mich auf den Weg dorthin.

Und schon nach kurzer Zeit merkte ich:

Das war eine sehr gute Entscheidung.

Die Kōko-en-Gärten

Die verschiedenen Gärten waren wunderschön angelegt.

Umgeben waren sie von niedrigen weißen Mauern mit dunklen Schindeldächern.

Immer wieder wurden diese Mauern von kleinen Toren unterbrochen.

Und hinter jedem dieser Tore wartete ein neuer Garten.

Es waren tatsächlich japanische Gärten, wie ich sie bisher nur von Bildern kannte.

Ruhig.

Romantisch.

Fast meditativ.

Kleine Bogenbrücken führten über das Wasser. Überall lagen sorgfältig angeordnete Steine und Felsen. Bonsai und fein beschnittene Kiefern standen an genau den Stellen, an denen sie scheinbar stehen mussten.

Nichts wirkte zufällig.

Und trotzdem sah alles vollkommen natürlich aus.

Schöner hätte man diese Gärten kaum gestalten können. Einige der traditionellen Gebäude standen direkt am Wasser. Fast schien es, als würden sie in die Teiche hineinragen.

Überall schwammen Karpfen.

Langsam.

Bedächtig.

Rot.

Weiß.

Orange.

Manche in mehreren Farben gleichzeitig.

Wie ein lebender Farbkasten.

📷 Foto: Karpfen, Brücken und traditionelle Häuser in den Kōko-en-Gärten

Diese Gärten luden dazu ein, einfach zu bleiben.

Also blieb ich.

An einem der kleinen Gebäude fand ich einen schattigen Platz.

Ich lehnte mich zurück und schaute hinaus.

Auf das Wasser.

Die Karpfen.

Die kleinen Brücken.

Die Bäume.

In meiner Nähe saßen einige Arbeiter im Schatten auf den Moosflächen.

Mit kleinen Werkzeugen und feinen Pinzetten zupften sie das Unkraut aus dem Moos.

Ganz langsam.

Pflanze für Pflanze.

Keine Hektik.

Keine Eile.

Ich musste eine Weile zuschauen. Ein interessanter Job, dachte ich.

Und irgendwie passte selbst diese Arbeit perfekt zu diesem Ort.

Ich saß weiter dort.

Schaute hinaus.

Und vergaß langsam die Zeit.

Ich begann zu träumen.

Und stellte mir vor, wie dieser Ort wohl vor über 500 Jahren ausgesehen hatte. Welche Menschen hier entlanggegangen waren. Wer an diesen Mauern gestanden hatte.

Wer auf die Burg hinaufgeschaut hatte.

Vielleicht hatte sich die Welt vollkommen verändert.

Aber in diesem Moment fühlte es sich an, als wäre an diesem Ort die Zeit ein wenig stehen geblieben.

Und genau das genoss ich.

Zurück nach Osaka – ob ich wollte oder nicht

Nach einiger Zeit erwachte ich aus meinen Träumereien.

Mir wurde klar, dass ich diesen wunderschönen Ort langsam verlassen musste.

Ich rollte aus den Kōko-en-Gärten hinaus, noch einmal an der weißen Burg vorbei und anschließend die lange, gerade Straße zurück zum Bahnhof.

Wenig später stand ich auf dem Bahnsteig.

Und plötzlich war ich mir überhaupt nicht mehr sicher, welchen Zug ich nehmen musste.

Ich schaute auf mein Handy.

Dann auf die Anzeige am Bahnsteig.

Wieder auf mein Handy.

Das passte irgendwie nicht zusammen.

Auch der Zug, der neben mir stand, passte nicht zu dem, was ich auf meinem Handy sah.

Was jetzt?

Ich wartete.

Der erste Zug fuhr ab.

Ich fragte einen Bediensteten auf dem Bahnsteig. Er signalisierte mir, dass ich hier richtig war und den richtigen Bahnsteig gefunden hatte.

Dann kam der zweite Zug.

Ich schaute wieder auf mein Handy.

Auf die Anzeige.

Auf den Zug.

Irgendetwas passte für mich immer noch nicht.

Und ich wollte auf keinen Fall in die falsche Richtung fahren und irgendwann in Hiroshima landen.

Ich wollte zurück nach Osaka. Und anschließend noch auf den Markt.

Also ließ ich auch den zweiten Zug abfahren.

Dann kam der dritte Zug.

Die Türen öffneten sich.

Ich stand direkt davor.

Und war mir immer noch nicht sicher.

Einsteigen?

Nicht einsteigen?

Noch einmal nachschauen?

In diesem Moment spürte ich plötzlich, wie jemand hinter mir die Griffe meines Rollstuhls packte.

Bevor ich überhaupt reagieren konnte, wurde ich geradewegs in den Zug geschoben.

Ich drehte mich überrascht um.

Hinter mir stand ein freundlich lächelnder älterer Herr.

Offensichtlich hatte er meine Unsicherheit die ganze Zeit beobachtet.

Er meinte es gut.

Und nahm mir die Entscheidung einfach ab.

Die Türen schlossen sich.

Der Zug fuhr los.

Nun saß ich drin.

Jetzt musste ich bleiben.

Ich schaute mich um.

Viele Schulkinder waren auf dem Weg nach Hause. Einige ältere Menschen saßen ebenfalls im Zug.

Und ich dachte nur:

„Bist du hier wirklich richtig, Thommes?“

Nach einer Weile schaute ich aus dem Fenster.

Und dann sah ich ihn.

Den Pazifik.

Diesmal auf der rechten Seite.

Auf der Hinfahrt war er links gewesen.

Jetzt lag er rechts.

Das passte.

Ich war im richtigen Zug.

Perfekt.

Ich musste lächeln.

Der nette Japaner hatte es tatsächlich richtig gemacht. Er war selbst nicht einmal eingestiegen.

Er wusste nicht, wohin ich wollte. Ich hatte kein Wort mit ihm gesprochen. Er hatte mich einfach in diesen Zug geschoben.

Und es war genau der richtige.

Manchmal muss man in Japan offenbar einfach darauf vertrauen, dass irgendein freundlicher Mensch schon weiß, wo man hingehört.

Nach einer Weile erreichte ich tatsächlich wieder Osaka.

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Foto: Bahnhof Osaka Umeda

Ich war schon ein wenig erleichtert.

Mir ging es gut.

Die Bahnfahrt hat mir Erholung gebracht und ich beschloss, noch in Osaka die Fahrkarten für den Shinkansen nach Tõkyõ zu kaufen.

Es ging schnell am Schalter im Bahnhof. Ich musste eine Nummer ziehen.

Die Nummer wurde aufgerufen. Ich legte mein Papier dem Mitarbeiter vor auf dem Stand Osaka Tokio am 17. Mai. , er reservierte für mich.

Mein Platz zeigt mir die Uhrzeit. Ich bezahlte und bekam meine Karten. Perfekt. Auch das war erledigt

Da ich mich nach der Bahnfahrt erholt hatte, beschloss ich noch ein wenig durch die Einkaufsstraßen von Osakas Stadtteil Shinsaibashi zu schlendern, dadurch bekam ich noch eine Menge zu sehen.

Die Straßen waren belebt und es machte sehr viel Spaß in diesem Getümmel von Menschen, Geräuschen und Farben zu rollen.

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Foto: Okonomiyaki in einem Konbini:

Es war wieder ein wundervoller Tag, und mit all diesen Eindrücken schlief ich selig ein.

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16.05. – Mein letzter Tag in Osaka

Ich war ein wenig traurig.

In den vergangenen Tagen hatte ich so viel erlebt und langsam hatte ich mich an diese Stadt gewöhnt.

Trotzdem war ich auch aufgeregt und neugierig, was mich bei meiner Rückkehr nach Tokio erwarten würde.

Am Morgen frühstückte ich kurz.

Danach packte ich meinen Koffer, verschloss ihn und brachte ihn hinunter zur Rezeption.

Dort erklärte ich dem Personal, dass sich der Koffer noch vor 11 Uhr auf den Weg nach Tokio machen sollte. Ich übergab ihnen ein Blatt Papier mit der Adresse meines Hotels in Tokio.

Damit war eigentlich alles erledigt.

Ich bedankte mich.

Das Personal verneigte sich wieder tief.

„Arigatou gozaimasu.“

Mein Koffer würde nun ohne mich nach Tokio reisen.

Und ich?

Ich begann meinen letzten Tag in Osaka.

Mittlerweile war ich ja schon fast ein alter Hase, was die U-Bahn-Fahrten in Osaka anging.

Ich fand schnell die richtige Linie und fuhr direkt in den Stadtteil, in dem der berühmte Kuromon-Markt lag.

Foto: Orientierungsplan Bahnhof Osaka und seine Ebenen.

Wagyu auf dem Kuromon-Markt

Der Kuromon-Markt war eine große, überdachte Einkaufspassage. Links und rechts reihten sich unzählige Geschäfte und kleine Verkaufsstände aneinander, und über allem spannte sich ein bogenförmiges Dach.

Ich schlenderte langsam durch den Markt.

Und es gab so viel zu sehen.

Frischer Fisch.

Rosa marmoriertes Rindfleisch.

Wagyu.

Obst und Gemüse.

Waffeln.

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Eiscreme.

Ein Stand folgte dem nächsten, und ständig gab es etwas Neues zu entdecken.

Es waren viele Menschen unterwegs. Trotzdem hatte ich mit meinem Rollstuhl genügend Platz, konnte überall anhalten und mir die Auslagen in Ruhe anschauen.

Besonders präsent war natürlich das weltberühmte Wagyu-Rindfleisch.

Die Preise waren, wie man es an einem touristischen Ort erwarten konnte, nicht gerade niedrig.

Ich schaute mich lange um, rollte von Stand zu Stand und irgendwann blieb ich stehen.

Hier wollte ich probieren.

📷 Foto: Wagyu-Auslage auf dem Kuromon-Markt

Das Fleisch war so fein marmoriert, dass es fast künstlich aussah.

Die feinen Fettäderchen durchzogen das Fleisch wie ein Muster.

Wenn es erhitzt wurde, sollte dieses Fett langsam schmelzen und dafür sorgen, dass das Fleisch besonders zart wurde.

Nun wollte ich endlich selbst herausfinden, ob Wagyu tatsächlich so besonders schmeckte.

Die Auswahl war groß.

Ich entschied mich für eine Schale mit drei Fleischspießen unterschiedlicher Qualität und Herkunft.

Man zeigte mir einen Platz an einem provisorischen Tisch.

Ich setzte mich und konnte direkt dabei zuschauen, wie mein ausgewähltes Fleisch gegrillt wurde.

Es dauerte nur wenige Minuten.

Das Fleisch sollte schließlich zart und saftig bleiben.

Dann bekam ich meine drei Spieße. Die Enden waren unterschiedlich markiert. Rot für Kobe Beef.

📷 Foto: Meine drei Wagyu-Spieße

Schwarz für Wagyu Loin, also Rumpsteak. Und ohne Markierung das normale Wagyu.

Der Duft des frisch gegrillten Fleisches stieg mir in die Nase.

Vor mir standen Salz, Pfeffer und Sojasauce bereit.

Aber nein.

Diesmal wollte ich nichts davon.

Ich wollte den Geschmack des Fleisches pur erleben.

Also begann ich mit dem ersten Stück.

Langsam.

Ich ließ mir Zeit.

Das Fleisch war unglaublich zart und begann förmlich auf der Zunge zu zerfallen.

Dann probierte ich den nächsten Spieß.

Und den dritten.

Ich wechselte immer wieder zwischen den verschiedenen Sorten hin und her.

Ein Stück.

Nachdenken.

Noch einmal probieren.

Dann das Nächste.

Ich wollte wirklich herausfinden, welches Fleisch mir am besten schmeckte.

Und nachdem ich alle drei Spieße genüsslich – und ich meine wirklich genüsslich – aufgegessen hatte, stand mein Sieger fest.

Wagyu Loin. Das Rumpsteak.

Das hatte mir am besten geschmeckt.

Es war ein echtes Erlebnis.

Auch wenn der ganze Spaß 5.500 Yen gekostet hatte, umgerechnet ungefähr 30 Euro.

Was soll’s?

Ich war in Japan.

Auf dem Kuromon-Markt.

Und hatte gerade drei verschiedene Wagyu-Sorten direkt miteinander verglichen.

Das Fleisch war innen wunderschön rosa, unglaublich zart und saftig.

Diesen Geschmack würde ich so schnell nicht vergessen.

Eine Erdbebenwarnung im Kaufhaus

Nach diesem kulinarischen Erlebnis schlenderte ich langsam weiter.

Ich ging in eines der großen Kaufhäuser, die sich in der Nähe der Einkaufspassagen befanden.

Parco und Daimaru.

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Foto: Blick aus dem Kaufhaus

Draußen war es warm gewesen.

Hier drinnen empfing mich die angenehm kühle Luft der Klimaanlage.

Ein schöner Kontrast zur Hitze des Tages.

Ich bummelte durch das Kaufhaus und schaute mir die verschiedenen Etagen und Auslagen an.

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Dann kam plötzlich eine Durchsage.

Zuerst auf Japanisch. Ich verstand kein Wort.

Dann wurde die Durchsage auf Chinesisch wiederholt.

Damit konnte ich natürlich genauso wenig anfangen.

Und schließlich kam die englische Version.

Jetzt hörte ich genauer hin.

Es ging um ein Erdbeben. Man sollte ruhig bleiben und auf die Anweisungen des Personals achten.

Ich schaute mich um.

Was war passiert?

Ich schloss für einen Moment die Augen.

Und tatsächlich.

Es fühlte sich ein wenig so an, als würde ich auf einem Schiff sitzen.

Ein ganz leichtes Schwanken.

Fast unmerklich.

Als ich die Augen wieder öffnete, sah alles vollkommen normal aus.

Nichts klapperte.

Niemand schrie.

Es entstand keine Unruhe.

Die Menschen verhielten sich ruhig, und auch das Personal wirkte nicht hektisch.

Scheinbar war es nur eine leichte Erschütterung gewesen.

Trotzdem war es ein seltsamer Moment.

Ich befand mich in Japan.

In einem Land, in dem Erdbeben zum Leben gehören.

Und nun hatte ich zum ersten Mal selbst eine solche Situation erlebt.

Nicht dramatisch.

Nicht gefährlich.

Aber deutlich genug, dass ich für einen Moment innehielt.

Ein langer Tag geht zu Ende

Nach diesem langen und wunderschönen Tag machte ich mich langsam auf den Heimweg.

Draußen war es inzwischen dunkel.

Nein, eigentlich war es nicht dunkel.

Die Straßen von Osaka waren hell erleuchtet, überall Reklame, Restaurants, Menschen und Stimmen.

Ich rollte langsam durch die Straßen zurück zu meinem Hotel.

Es war ein langer Tag gewesen. Der Kuromon-Markt, das Wagyu und dann noch diese Erdbeben-Durchsage.

Jetzt war ich müde.

Ich wollte nur noch ins Hotel, ins Bett und schlafen.

Morgen war schließlich wieder ein neuer Tag.

Und morgen würde ich Osaka verlassen und nach Tokio zurückkehren.

Gute Nacht.

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17.05. – Abschied von Osaka, zurück nach Tokio und ein Abend in Akihabara

Es war so weit.

Ich musste Osaka auf Wiedersehen sagen und dachte noch einmal über die vielen schönen Momente nach.

Zehn Tage war ich hier gewesen.

Zehn Tage voller Erlebnisse.

Viel gesehen.

Viel erlebt.

Viel gestaunt.

Mein Koffer war schon längst unterwegs nach Tokio, und ich machte mich morgens zeitig auf den Weg.

Wie schon berichtet, war mir das U-Bahn-Netz von Osaka mittlerweile ans Herz gewachsen. Ich wusste schnell, wo ich lang musste, und fuhr nach Shin-Osaka.

Dort sollte mein Shinkansen NOZOMI nach Tokio abfahren.

Es war nicht besonders voll in der U-Bahn, denn es war Sonntag. Die vielen Berufstätigen mussten nicht zur Arbeit.

Trotzdem war Osaka natürlich belebt. Ich war zeitig am Bahnhof und hatte genügend Zeit, mich in Ruhe umzuschauen.

Die Geschäfte.

Die Schalter.

Die Menschen.

Noch immer fand ich es interessant, einfach dazusitzen und mir das Ganze anzuschauen.

Ich fand meinen Bahnsteig sehr schnell.

Nummer 27.

Wieder Wagen 11.

Wieder Platz 13B.

Da ich über eine Stunde zu früh war, konnte ich in aller Ruhe die ankommenden und abfahrenden Shinkansen beobachten.

Es war toll anzusehen, wenn diese weißen Blitze mit ihren lang gezogenen Nasen an mir vorbeirauschten und schnell an Tempo zunahmen.

Und gleich würde ich wieder in einem dieser weißen Blitze sitzen.

Als der Zug bereitstand, strömten alle geordnet und in Reih und Glied hinein.

Ich fand es witzig, dass die Bahnmitarbeiter kleine faltbare Rampen über den vielleicht fünf Zentimeter breiten Spalt zwischen Bahnsteig und Zug legten.

Eine andere Person im Rollstuhl und ich konnten dadurch ganz bequem in den Zug hineinrollen.

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Dann ging die Fahrt los.

Ich schaute mir meine Mitreisenden genau an.

Rechts neben mir saß eine junge Frau.

Sie hatte ihren Tisch heruntergeklappt, schaute Musikvideos auf ihrem Handy und schminkte sich.

Und sie schminkte sich weiter. Und weiter.

Zwischendurch bearbeitete sie ihre Haare mit einem Glätteisen.

Dann wurde wieder geschminkt.

Fast die gesamte Fahrt über. Ich musste immer wieder hinschauen und war sprachlos.

Wie kann man sich zweieinhalb Stunden lang schminken?

Auf der anderen Seite saß wohl ein Geschäftsmann auf dem Nachhauseweg.

Er hatte sich regelrecht tief in seinen Sitz hineinrutschen lassen.

Die Schuhe ausgezogen. Die Knie angezogen und gegen die Lehne des Vordersitzes gedrückt.

So schaute er völlig entspannt in sein Handy.

Auch das war eine komische Szene.

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Ich schaute aus dem Fenster, beobachtete meine Mitreisenden und genoss die Fahrt.

Und irgendwann war ich wieder da.

In Tokio.

Ich fand schnell den Weg aus dem Bahnhof und stand wenig später auf dem Vorplatz der alten Tokyo Station.

Ich schaute mich um.

Und fühlte mich fast wieder wie zu Hause.

Ja.

Tokio.

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In diesem Moment spürte ich sehr deutlich, dass mir Tokio besser gefiel als Osaka.

Osaka war enger.

Gedrungener.

Heimeliger.

Wie Kimi mir erzählt hatte, war Osaka aus vielen kleineren Orten entstanden, die im Laufe der Zeit immer weiter zusammengewachsen waren.

Tokio war ganz anders.

Modern.

Weit.

Offen.

Groß.

Und genau das gefiel mir.

Auch wenn die Geräusche in Osaka ähnlich waren, freute ich mich einfach wieder auf die Ampeln in Tokio.

Auf ihr „Piyu, piyu, piyu“. (West-Ost-Richtung)

Und auf ihr „Kou-kuk, kou-kuk, kou-kuk“. (Nord-Süd-Richtung)

Ich fühlte mich zufrieden.

Und ich war froh, wieder in Tokio zu sein.

Diesmal lag mein Hotel fast in derselben Region wie mein erstes Hotel, nur ein bisschen weiter in Richtung Asakusa.

Da es nicht besonders weit war, beschloss ich, die Strecke einfach mit dem Rollstuhl zurückzulegen.

Mein Tagesrucksack hing hinten am Rollstuhl.

Die Slingbag vorne.

Und los ging es.

Das Wetter war gut.

Aber es war sehr heiß.

Überall sah ich Anlagen, die einen feinen Wassernebel in die Luft sprühten, damit die Menschen, die durch Tokio gingen, wenigstens etwas Abkühlung bekamen.

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So rollte ich durch mein Tokio.

Ich schaute immer wieder in die Höhe.

Sah mir die Wolkenkratzer an.

Die riesigen Gebäude.

Die Straßen.

Und genoss es einfach, wieder dort zu sein.

Aufgrund der Hitze suchte ich mir möglichst schattige Wege und kam so einigermaßen angenehm bis zu meinem Hotel.

Nachdem ich eingecheckt hatte, versorgte ich mich als Erstes wieder mit einigen Kleinigkeiten zum Essen und für das Frühstück am nächsten Morgen.

Danach ruhte ich mich etwas aus.

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Foto: Letztes Hotel in Tokio / Das Zimmer war diesmal sehr klein.

Am späten Nachmittag beschloss ich, noch in den berühmten Stadtteil Akihabara zu fahren. Ich wollte diese Lichterwelt bei Nacht erleben.

Akihabara war eine wundervolle, völlig andere Welt.

Der Stadtteil der Mangas und Animes.

Bunt.

Laut.

Lebhaft.

Als ich aus dem Bahnhof kam, musste ich mich zunächst orientieren.

Es war Sonntag.

Viele junge Menschen waren unterwegs.

Sie lachten.

Sie freuten sich.

Sie unterhielten sich angeregt.

Ich schaute mich um und sah riesige, kunterbunte Mangaplakate.

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Foto: Akihabara

Animefiguren.

Actionszenen auf riesigen Leuchttafeln.

Überall Farben.

Überall Bewegung.

Überall gab es etwas Neues zu sehen.

Ich schlenderte durch dieses kunterbunte „Alice im Wunderland“.

Vor vielen Geschäften und Bars standen junge Frauen, die sich verkleidet hatten.

Sie trugen auffällige Kostüme und versuchten mit kleinen Zetteln, die Besucher in die Geschäfte und Lokale zu locken.

Dieser Stadtteil erschien mir unglaublich jung.

Lebhaft.

Aufregend.

Und bunt.

Fotos: Akihabara, das Manga- und Animiviertel

Nachdem ich all diese knallbunten, explosiven und aufregenden Bilder in meinem Kopf hatte, merkte ich langsam meine Müdigkeit.

Ich machte mich auf den Heimweg.

Wie immer natürlich nicht ohne einen kurzen Stopp in einem Konbini.

Ich kaufte mir noch etwas zum Abendessen und fuhr zurück zu meinem Hotel.

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Nachdem ich gegessen hatte, lag ich im Bett und dachte noch einmal darüber nach, wie schnell mir Tokio wieder vertraut vorkam.

Zehn Tage war ich in Osaka gewesen.

Zehn wunderschöne Tage.

Und trotzdem hatte ich schon nach wenigen Stunden das Gefühl, wieder angekommen zu sein.

Vielleicht gibt es Städte, die man besucht.

Und vielleicht gibt es Städte, in denen man sich einfach wohlfühlt.

Tokio gehörte für mich inzwischen zur zweiten Sorte.

Ich schloss die Augen.

Und schlief selig ein.

Gute Nacht.

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18.05. – Dreimal Glück, große Hitze und ein Stück Bayern mitten in Tokio

Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer. Endlich wieder in Tokio.

Heute hatte ich mir vorgenommen, zum Sensō-ji in Asakusa zu fahren. Er lag nicht weit von meinem Hotel entfernt. Nur zwei Stationen mit der U-Bahn.

Die letzten fünfhundert Meter legte ich mit dem Rollstuhl zurück. Schon der Weg dorthin war eine schöne Erfahrung, denn die gesamte Umgebung bestand aus vielen kleinen Souvenirgeschäften und Restaurants, in denen man gut zu Mittag essen konnte.

Dann erreichte ich das Hōzōmon-Tor und die Haupthalle des Sensō-ji.

Die gesamte Tempelanlage war wunderschön. Sie bestand aus vielen einzelnen Gebäuden und einer großen Pagode mit mehreren Stockwerken. Das Holz war in einem angenehmen, warmen, dunklen Rot gestrichen.

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Foto: Asakusa Schrein

Auch große Löwenköpfe mit aufgerissenen Mäulern und starren Augen waren immer wieder zu sehen.

Das Gesamtbild war wunderschön.

Überall hingen große, überdimensionale Lampions mit japanischer Schrift in und an den Tempeln.

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Foto: Das Hōzōmon Tor am Asakusa Schrein

Genau so, wie man sich einen japanischen Tempel oft vorgestellt hat.

Zwischen den Gebäuden spazierten viele Besucher umher und bestaunten diesen besonderen Ort. Auch ich bewegte mich langsam durch die Anlage, schaute nach links und rechts und ließ die Atmosphäre auf mich wirken.

Dabei scheute ich mich nicht, andere Besucher anzusprechen und ihnen anzubieten, ein gemeinsames Foto von ihnen zu machen.

Diese kleine Geste wurde immer freundlich und glücklich angenommen.

Nachdem ich das Foto gemacht hatte, wurde das Ergebnis kurz auf dem Handy überprüft. Die Menschen freuten sich, gemeinsam auf einem Bild vor dieser wunderschönen Kulisse zu sein.

Man verneigte sich.

Man lächelte sich dankbar an.

Und dann ging jeder wieder seines Weges.

Solche kleinen Begegnungen mochte ich sehr.

Es war schon sehr warm, obwohl es erst halb zehn Uhr morgens war.

An verschiedenen Stellen der Tempelanlage konnte man sich die Zukunft vorhersagen lassen.

Dort standen große, aber noch handliche, sechseckige und silbern glänzende Behälter.

Man musste sie kräftig schütteln. Im Inneren befanden sich viele kleine Holzstäbchen mit Nummern. An einer Seite war eine kleine Öffnung, aus der schließlich eines dieser Stäbchen herausrutschen sollte.

Ich zahlte 100 Yen, ging zu einem dieser Behälter und schüttelte ihn kräftig.

Die Holzstäbchen klapperten laut durcheinander.

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Foto: Hier kann man die Weissagungen der Götter mit den Stäbchen ziehen (100Yen)

Dann hielt ich die Dose schräg, bis schließlich ein Stäbchen aus der kleinen Öffnung rutschte.

Nummer 62.

Nun musste ich aus den unzähligen kleinen Schubladen die richtige finden.

Das war gar nicht so einfach.

Schließlich entdeckte ich die Nummer 62, zog die Schublade auf und nahm neugierig das Blatt mit meiner Vorhersage heraus.

Auf dem Blatt stand auf Japanisch und Englisch:

Nummer 62. Exzellentes Glück.

Den genauen Inhalt behalte ich für mich.

Aber es war sehr positiv.

Nun wäre ich natürlich nicht Thommes, wenn ich nicht skeptisch wäre.

Also ging ich zu einer anderen Stelle.

Ich nahm einen neuen silbernen glänzenden Behälter. Die Oberfläche spiegelte das Sonnenlicht.

Wieder schüttelte ich kräftig eine neue, andere Dose..

Die vielen Holzstäbchen klapperten laut durcheinander.

Ich hielt die Dose schräg, bis ein neues Stäbchen aus der kleinen Öffnung rutschte.

Nummer 23.

Wieder suchte ich die richtige Schublade, zog sie auf, nahm ein Blatt heraus und las neugierig:

Nummer 23. Gutes Glück.

Nicht schlecht.

Aber alle guten Dinge sind drei.

Also veränderte ich noch einmal meine Position und ging zu einem anderen Behälter.

Wieder eine dieser silbernen, sechseckigen Dosen.

Ich schüttelte kräftig.

Die Holzstäbchen klapperten.

Das dritte Stäbchen rutschte aus der kleinen Öffnung.

Nummer 89.

Ich suchte die richtige Schublade, öffnete sie und nahm den Zettel heraus.

Und was stand darauf?

Nummer 89. Das beste Glück.

Nun saß ich dort mit meinen drei Vorhersagen und schaute sie mir genauer an.

Alle drei Weissagungen waren teilweise und in wichtigen Punkten sogar weitgehend deckungsgleich.

Ich war glücklich und grinste über beide Backen.

Wenn das meine Zukunft war, die mir die Götter beschrieben, dann hatte ich nichts zu befürchten.

Im Gegenteil.

Ich konnte mich darauf freuen.

Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, es gäbe dort nur positive Vorhersagen.

Natürlich gibt es auch negative und unangenehme Weissagungen. Doch auch dagegen gibt es ein Mittel.

Diese schlechten Vorhersagen kann man zusammenrollen und an dafür vorgesehene Gestelle auf dem Tempelgelände knoten. Dort lässt man das schlechte Schicksal zurück. In einer besonderen Zeremonie würden die Mönche diese negativen Weissagungen neutralisieren.

Ich hatte dieses Problem zum Glück nicht.

Drei verschiedene Stellen.

Drei verschiedene Behälter.

Drei verschiedene Holzstäbchen.

Und dreimal Glück.

Damit war ich sehr zufrieden.

Immer wieder konnte ich zwischen den Häusern in der Umgebung den Tokyo Skytree sehen.

Er war von fast überall sichtbar und ragte wie ein riesiger Finger in den Himmel.

Mittlerweile war es unerträglich heiß geworden. Weit über 35 Grad.

Ich beschloss, lieber mit der angenehm kühlen U-Bahn ins Zentrum zu fahren.

Da es angenehm kühl in der U-Bahn war, beschloss ich nicht auszusteigen, sondern weiter bis nach Ginza zu fahren.

Ginza

Die Prachtstraße mit ihren vielen Luxusgeschäften erschien mir bei dieser Hitze als gute Wahl.

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In den Seitenstraßen gab es immer wieder kleine grüne Oasen. Feiner Sprühnebel sorgte dort für etwas Abkühlung, und ich konnte mich an einen schattigen Platz setzen und in Ruhe das Geschehen beobachten.

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Foto: Viele Plätze für eine Erholung und Entspannung mitten in GINZA

Es war früher Nachmittag, und langsam bekam ich Hunger.

Ich schaute mich um, wo ich etwas Gutes zu essen bekommen könnte.

Dann stand ich vor dem Lion Beer Hall.

Die künstlichen Speisen in der Auslage sahen sehr gut aus, also beschloss ich hineinzugehen.

Und dann traute ich meinen Augen und Ohren nicht.

Wie sich herausstellte, befand ich mich in einem der ältesten Brauhäuser Japans.

Überall waren bunte Bilder und Mosaike.

Das Restaurant befand sich in einem großen Gewölbe und war in einer süddeutschen, fast bayerischen Atmosphäre eingerichtet.

Aus den Lautsprechern erklang Blasmusik und traditionelle Oktoberfestmusik.

Ich fühlte mich fast ein wenig wie in München.

Es war wirklich verrückt.

Und irgendwie surreal.

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Ich war in Japan, in einer für mich fremden Kultur, und saß plötzlich in einem Brauhaus, das eingerichtet war wie in Bayern.

Die Stimmung war hervorragend, fast wie in einem Bierzelt. Das Lion schien sehr beliebt zu sein, denn zu dieser Zeit war es schon gut gefüllt.

Ich schaute mir die Speisekarte an.

Wie verrückt war das denn?

Eisbein.

Sauerkraut.

Wurstplatten.

Sogar Weißwurst.

Die Bilder sahen für mich teilweise etwas seltsam aus, aber es waren tatsächlich Gerichte, die man eindeutig mit Deutschland verband.

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Ich entschied mich für ein naturbelassenes Schweineschnitzel mit Pommes und geschmorten Zwiebeln.

Natürlich aß ich auch dieses Essen wieder mit Stäbchen.

Und wenn ihr euch jetzt fragt, wie man mit Stäbchen ein Schnitzel essen kann:

Gar kein Problem.

Das Fleisch war bereits in Streifen geschnitten. Man konnte es mit den Stäbchen hochheben, abbeißen und den Rest wieder ablegen.

Die Soße und die geschmorten Zwiebeln waren exquisit.

Und Pommes mit Stäbchen hatte ich bis dahin auch noch nicht gegessen.

Es gab viele verschiedene Biersorten.

Ich entschied mich natürlich nur für eine, ich war schließlich noch unterwegs.

Es war ein herrliches Essen in einer ungewohnt gewohnten Atmosphäre.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit, gemütlich durch die Einkaufsstraßen Tokios zu bummeln. Ich schaute nach links und rechts und schlenderte aus Neugier immer wieder in die kleinen Seitengassen.

Langsam wurde es Abend.

Die Sonne verschwand hinter den großen Gebäuden. Ihr Licht spiegelte sich noch immer in den riesigen Glasfronten der Hochhäuser.

Gelb.

Orange.

Rot.

Die Stadt wirkte in diesem Licht noch einmal ganz anders.

Ich schaute mich um und genoss einfach diesen friedlichen Moment.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Tokio unheimlich friedlich ist?

Eine Stadt mit Millionen Menschen.

Riesige Bahnhöfe.

Wolkenkratzer.

Verkehr.

Menschenmassen.

Und trotzdem empfand ich Tokio immer wieder als erstaunlich ruhig und friedlich.

Es war ein ganz anderer Tag als sonst.

Kein großes Abenteuer.

Kein besonderer Höhepunkt.

Aber ein wunderschöner Tag.

Zufrieden und friedlich ließ ich diesen Tag ausklingen.

Gute Nacht.

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19.05. – Kappabashi, ein riesiger Gundam und ein unerwartetes Lichtermeer

Heute ging es auf Shoppingtour.

Nach einem schönen Frühstück, so wie ihr es inzwischen kennt, machte ich mich mit dem Rollstuhl auf den Weg in die berühmte Kappabashi-Straße.

Kappabashi ist bei Köchen aus aller Welt bekannt, viele von ihnen lassen diese Straße nicht aus, wenn sie nach Tokio kommen.

Die Strecke war nicht weit, und ich schlenderte gemütlich in diese Richtung. Nach ungefähr dreißig Minuten öffnete sich vor mir eine große Kreuzung, und auf der gegenüberliegenden Seite lag Kappabashi.

Schon die Häuser begrüßten mich mit skurrilen Figuren.

Auf der rechten Seite ragten riesige Tassen an einer Hauswand fast bis unter das Dach.

Auf der linken Seite thronte ein überdimensionaler Küchenchef mit Kochmütze.

Foto: Eingang zur Kappabashi mit Koch links, und Tassen rechts.

Und dann begann mein Bummel durch die Welt der Küchen.

Von Geschäft zu Geschäft und von Laden zu Laden entdeckte ich wirklich alles, was man sich vorstellen konnte und irgendwie mit Kochen zu tun hatte.

Natürlich gab es Messer.

Japanische Messer.

Kochmesser, Schälmesser, Fleischmesser, Gemüsemesser.

Messer, Messer, Messer, Messer.

Unglaublich, wie viele Messer es dort gab.

Aber das war natürlich längst nicht alles.

Töpfe, Pfannen, Siebe, Küchenwerkzeuge für jeden erdenklichen Zweck, Geschirr, Porzellan und wunderschöne Schalen.

Und natürlich Essstäbchen.

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So schlenderte ich mal wieder mit großen Augen an den Auslagen dieser Küchenwelt vorbei.

Besonders spannend fand ich, wie viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern durch Kappabashi liefen. Ich beobachtete sie genau und fragte mich immer wieder:

„Ist das ein Koch?“

„Ist das eine Köchin?“

„Hat dieser vielleicht drei Sterne? Oder sie?“

Ich musste über mich selbst lachen.

Natürlich konnte ich es den Menschen nicht ansehen. Trotzdem fragte ich mich immer wieder, wer von ihnen wohl in irgendeiner berühmten Küche auf der Welt arbeitete.

Wie ihr aus meinem Reisebericht schon erfahren habt, werden vor vielen Restaurants in Japan die angebotenen Speisen täuschend echt künstlich nachgebildet.

Und genau solche Geschäfte gibt es in Kappabashi.

Ich hatte mir vorgenommen, als Dekoration für meine Küche, eine dieser künstlichen Speisen zu kaufen. Bei der riesigen Auswahl war es allerdings gar nicht so einfach, das Richtige zu finden.

Fast zwei Stunden war ich unterwegs, bis ich endlich ein Geschäft entdeckte, das mir gefiel. Über dem Eingang hing als Dekoration ein riesiger, überdimensionaler Käfer.

Ich ging hinein und traute meinen Augen nicht.

Pizza, Burger, Rührei, Spiegelei, Sushi und Ramen. Es gab einfach alles, und die Speisen sahen täuschend echt aus.

Ich schaute mich lange um und konnte mich kaum entscheiden.

Am Ende wurden es zwei Stücke.

Eine Sushi-Platte und ein Burger.

Beide täuschend echt.

Ihr könnt mich gerne fragen, was sie gekostet haben. Aber hier werde ich es nicht verraten.

Ich musste beim Bezahlen jedenfalls erst einmal tief Luft holen, aber als ausgefallene Dekoration in meiner Küche passen sie hervorragend.

Nach diesem wundervollen Vormittag machte ich mich langsam auf den Rückweg zum Hotel.

Während ich durch Kappabashi rollte, hörte ich noch immer die Türglocken der Geschäfte und das Klappern der Töpfe und Pfannen, die vor manchen Läden hingen und aneinanderschlugen.

Zurück im Hotel musste ich mich erst einmal etwas ausruhen, denn ich wusste:

Heute würde es mit Sicherheit spät werden.

Mein nächstes Ziel war der Gundam Unicorn.

Eine gigantische Roboterfigur aus der Welt der Anime.

Dafür musste ich komplett in den Süden Tokios, durch das Hafengebiet bis nach Odaiba fahren.

Und ich wollte unbedingt die Yurikamome-Linie nehmen.

Ich musste einmal umsteigen in den Gewölben der U-Bahnen.

Und dann begann das Problem.

Als Erstes musste ich überhaupt erst einmal den Ausgang beziehungsweise den Aufzug finden. An die Yurikamome-Linie war da noch gar nicht zu denken.

Ich suchte, schaute nach links und nach rechts und drehte mich einmal um 360 Grad.

Nichts.

Ich war tief unten im Bahnhof und wusste irgendwann nicht mehr weiter.

Also fragte ich einen der Mitarbeiter. Er gab mir einen Plan in die Hand.

„You are here.“

Dann zeigte er auf einen anderen Punkt.

„You must go there.“

Okay.

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Er hatte mir den Weg eingezeichnet.

Aber ihr glaubt nicht, was ich auf diesem Plan sah.

Es sah aus wie ein riesiges Labyrinth aus bunten Linien, Treppen, Aufzügen und Quergängen. Ich weiß nicht, was da noch alles eingezeichnet war.

Also ging es los.

Ich versuchte, dem eingezeichneten Weg so genau wie möglich zu folgen und kam irgendwann tatsächlich wieder oben an.

Unter freiem Himmel.

Doch auch dort musste ich weitersuchen. Nach ungefähr zweihundert Metern sah ich endlich die Station der Yurikamome-Linie vor mir.

Geschafft.

Diese Linie führte direkt nach Odaiba, ein modernes Viertel mit großen Parkanlagen, Einkaufszentren und wunderschönen Ausblicken auf die Brücken und die Skyline von Tokio.

Es war inzwischen dunkel geworden, und während der Fahrt zogen die Lichter der Stadt an mir vorbei. Wir fuhren zwischen riesigen beleuchteten Gebäuden hindurch, und links und rechts tauchten immer wieder rote, weiße und blaue Lichter auf.

Es war fantastisch anzusehen.

Ich fragte mich:

Wie sieht das hier wohl bei Tage aus?

Nach ungefähr fünfundzwanzig Minuten kam ich an. Ich stieg aus, war schnell unten auf der Straße und musste durch eine Parkanlage gehen.

Schon von Weitem hörte ich Geräusche und sah zwischen den Bäumen immer wieder Lichter aufflackern.

Und dann erschien er langsam vor mir.

Der Gundam Unicorn.

Je näher ich kam, desto größer und imposanter wurde er.

Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich keine Gänsehaut hatte.

Mit jedem Meter, den ich auf ihn zurollte, wurde mir erst richtig bewusst, wie gewaltig diese Figur tatsächlich war.

Neunzehn Meter hoch stand er breitbeinig mit seinen gigantischen Füßen vor mir. Ich musste den Kopf weit in den Nacken legen, um ihn vollständig sehen zu können.

Und plötzlich verstand ich zumindest ein wenig die Begeisterung vieler Japaner für Gundam und diese ganze Welt.

Um mich herum standen Menschen, die aus demselben Grund hierhergekommen waren wie ich. Viele schauten genauso begeistert nach oben.

Einige Menschen aus Neuseeland kamen auf mich zu und boten mir an, ein Foto von mir vor dem Gundam zu machen.

Natürlich nahm ich dieses Angebot dankend an.

So entstand ein Bild, über das ich mich heute noch freue.

Ich vor dem Gundam Unicorn mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

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📷 Foto: Ich vor dem Gundam Unicorn

Und ich kann voller Stolz sagen:

Ich habe einen echten Gundam gesehen.

Kurz darauf begann die Show.

Der Kopf bewegte sich, das Gesicht verschwand unter dem Helm und die Hörner veränderten sich zu einem Einhorn.

Dann begann die Licht- und Soundshow.

Bunte Lichter flitzten an den gigantischen Beinen hinauf und hinunter. Die Arme, der Kopf und der Helm leuchteten in immer neuen Farbkombinationen.

Und dazu dieser verrückte Sound.

Ich stand einfach da und genoss diesen Moment.

Nach ungefähr einer halben Stunde war die Show vorbei. Ich schaute mich um und sah überall glückliche Gesichter.

Die Menschen um mich herum hatten bekommen, weshalb sie gekommen waren.

Und ich auch.

Ich schlenderte weiter in Richtung Wasser und sah schon von Weitem eine wunderschöne Kulisse.

Tokio bei Nacht.

Je näher ich dem Wasser kam, desto mehr Einzelheiten konnte ich erkennen: die Farben, die blinkenden Lichter, die roten Lampen auf den Spitzen der Hochhäuser und die Brücken.

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Foto: Links, der Mori JP Tower, das helle Licht, dort oben war mein Fensterplatz und mein Erdbeer-Parfait.

Es war eine klare Nacht.

Es war warm.

Es war herrlich.

Einfach herrlich.

Und dann geschah es.

Ich hatte überhaupt nicht mehr damit gerechnet.

Vor mir lag die nächtliche Kulisse Tokios mit ihren Brücken und Lichtern, als plötzlich Musik erklang.

Auf einer Breite von mehreren hundert Metern begannen große und kleine Fontänen bunt beleuchtet aus dem Wasser zu steigen.

Immer neue Wassersäulen schossen in die Höhe, und dazu spielte Musik, die sich mit den Bewegungen der Fontänen zu einem wunderschönen Schauspiel verband.

Video: Odaiba – leider machte die Musik gerade Pause ;-(

Die farbenprächtigen Wassersäulen, die Musik und dahinter die beeindruckende Kulisse Tokios.

Ich konnte mich gar nicht mehr losreißen.

Um mich herum standen viele Menschen. Pärchen hielten sich im Arm und genossen gemeinsam dieses Schauspiel. Kinder freuten sich jedes Mal, wenn eine neue Fontäne in die Höhe schoss.

Es war herrlich.

Ich blieb einfach dort und schaute zu.

Doch auch die schönsten Dinge gehen irgendwann zu Ende.

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Es war inzwischen sehr spät geworden, und ich durfte die letzte U-Bahn nicht verpassen.

Der Rückweg war diesmal einfacher. Ich wusste jetzt, welche Wege, Brücken, Aufzüge und Bahnsteige ich nehmen musste, um wieder nach Hause zu kommen.

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Als ich schließlich im Hotel ankam, war es 23:35 Uhr.

Ein langer Tag lag hinter mir.

Ich schloss die Augen.

Noch immer sah ich die bunten Lichter der Fontänen, hörte die Musik und sah die nächtliche Kulisse Tokios vor mir.

Langsam schlief ich ein.

Und während ich dahinschlummerte, sagte mir der Gundam Unicorn gute Nacht.

Gute Nacht.

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20.05. – Zehntausende Katzen, Musik über Tokio und die Lichter von Shinjuku

Der Tag begann mit einem Spaziergang zu einem wunderschönen Café.

Es hieß Café Veloce. Ich bestellte mir ein warmes Brötchen mit Schinken, Käse und einer Senf-Remoulade, die ich inzwischen schon kannte.

Ich setzte mich an einen Platz direkt am Fenster. Dort befand sich eine lange Tischtheke mit vielen Hockern nebeneinander, und mein Blick fiel auf eine große Kreuzung.

Es war wunderschön, an diesem Morgen einfach nur dazusitzen und den japanischen Alltag zu beobachten. Schulkinder in ihren Uniformen waren unterwegs, Berufstätige in dunklen Anzügen eilten mit Aktentaschen zur Arbeit und Handwerker fuhren mit ihren Autos durch die Straßen.

Video: Der Tag beginnt mit einem Frühstück und dem Blick auf das morgendliche Tokio

Ich trank meinen Kaffee, schrieb ein wenig in mein Reisetagebuch und schaute immer wieder hinaus.

Dann wurde es langsam Zeit, aufzubrechen.

Mein Ziel war der Gotoku-ji.

Die Fahrt dauerte lange. Viel länger, als ich erwartet hatte. Ich musste zweimal umsteigen und suchte wieder einmal nach den richtigen Wegen, Bahnsteigen und Aufzügen.

Ich weiß gar nicht mehr, an wie vielen U-Bahn-Eingängen ich vorbeigerollt bin oder wie viele Aufzüge ich übersehen habe. Oft waren die Zugänge irgendwo in Hauseingängen versteckt, lagen um eine Ecke oder waren nur durch kleine Schilder gekennzeichnet.

Fotos: U-Bahn Station und Orientierungspläne

Teilweise rollte ich unterirdisch viele hundert Meter in alle möglichen Himmelsrichtungen.

Irgendwann hatte ich es geschafft.

Als ich endlich angekommen war, führte mich der Weg durch wunderschöne Wohnviertel mit niedrigen Häusern und engen Gassen. Über den Straßen waren Stromleitungen gespannt.

Früher hatte ich mich immer darüber gewundert, warum man das in Japan so macht. Bei uns liegen die Leitungen schließlich meistens unter der Erde.

Doch Japan ist ein Land der Erdbeben, und wenn Leitungen beschädigt werden, können die Schäden oberirdisch leichter gefunden und repariert werden.

Der Weg zum Tempel war nicht ganz einfach. Es ging bergauf, dann wieder bergab, links um die Ecke und rechts um die Ecke.

Irgendwann stand ich vor dem großen Tor.

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Solche Tore kannte ich inzwischen.

Sie markierten den Eingang zu einer anderen Welt.

Der Gotoku-ji ist ein buddhistischer Tempel und liegt wunderschön in einem kleinen Wäldchen, umgeben von Wohnhäusern. Die Gebäude standen zwischen alten Bäumen und gepflegten Anpflanzungen.

Es war ruhig und friedlich.

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Und dann sah ich die ersten Katzen.

Weiße Katzen.

Ich schaute nach links und sah Katzen.

Ich schaute nach rechts und sah noch mehr Katzen.

Egal, wohin ich blickte, überall standen kleine, mittlere und große weiße Katzen.

Jetzt war ich endgültig im berühmten Katzentempel angekommen.

Hier entstand der Überlieferung nach die Geschichte der Winkekatze, die ihr sicherlich kennt.

Im 17. Jahrhundert soll ein Fürst während eines Unwetters vor dem Tempel unter einem Baum gestanden haben. Vor dem Eingang saß eine Katze, die eine Pfote hob, fast so, als würde sie ihm zuwinken und ihn zu sich locken.

Der Fürst folgte der Katze.

Kurz darauf schlug genau dort, wo er zuvor unter dem Baum gestanden hatte, ein Blitz ein. Von diesem Tag an soll seine Familie den Tempel unterstützt und ihn als Familientempel angesehen haben.

Heute kommen Gläubige und Besucher aus aller Welt hierher und kaufen eine der weißen Katzen mit der erhobenen Pfote.

Kleine Katzen stehen für kleine Wünsche und große Katzen für große Wünsche.

Die Menschen nehmen ihre Katze mit nach Hause, stellen sie dort auf und verbinden mit ihr ihren Wunsch.

Geht dieser Wunsch in Erfüllung, bringen sie die Katze zurück zum Tempel.

Plötzlich verstand ich, was ich hier eigentlich vor mir sah.

Zehntausende erfüllte Wünsche waren um mich herum.

Kleine Wünsche, kleine Katzen.

Große Wünsche, große Katzen.

Ich blieb eine ganze Weile dort und schaute mir dieses unglaubliche Meer aus weißen Katzen an.

Immer wieder hörte ich die Glocke scheppern, mit der die Betenden die Götter auf sich aufmerksam machen wollten. Ich muss allerdings sagen, dass sie sich für mich eher wie ein alter Eimer oder eine dumpfe Kuhglocke anhörte.

Der Andrang war groß, und viele Besucher wollten eine der Wunschkatzen kaufen.

Natürlich kaufte auch ich mir eine weiße Katze.

Ich nahm sie mit.

Und auch mit ihr war ein Wunsch verbunden.

Welcher?

Das behalte ich für mich.

Zusätzlich kaufte ich mir eine Ema-Tafel, eine kleine, wunderschön bemalte Holztafel mit einem Katzenmotiv.

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Foto: EMA – Tafel für die Wünsche an die Götter

Auf die Rückseite schrieb ich meinen Wunsch und hängte die Tafel zu den vielen anderen.

Hunderte Wünsche hingen dort nebeneinander.

Ich nahm mir Zeit und las einige davon. Dabei wurde mir etwas bewusst.

Es spielte überhaupt keine Rolle, aus welchem Teil der Welt die Menschen kamen.

Die Wünsche waren überall sehr ähnlich.

Es ging um Gesundheit, Heilung, Familie und Liebe.

Die Kulturen waren unterschiedlich.

Die Menschen waren unterschiedlich.

Aber ihre Wünsche waren es nicht.

Nach einiger Zeit machte ich mich wieder auf den Weg. Ich hatte für diesen Tag schließlich noch einiges vor.

Es war sehr heiß geworden, und ich war froh, als ich endlich wieder in den kühlen U-Bahn-Stationen ankam. Die Abkühlung tat gut, und auch mein Kreislauf beruhigte sich langsam wieder.

Ich fuhr zurück zu meinem Hotel und gönnte mir erst einmal ein ausgiebiges Schläfchen.

Das war auch nötig, denn der Tag war noch lange nicht vorbei.

Am späten Nachmittag machte ich mich wieder auf den Weg.

Ich wollte unbedingt noch zum Tokyo Metropolitan Gouvernment Building. Allerdings erst am Abend.

Danach wollte ich endlich wieder in meinen geliebten Stadtteil Shinjuku, zur berühmten 3D-Katze und natürlich zu Godzilla.

Als ich langsam am Tokyo Metropolitan Gouvernment Building ankam, war der Abend bereits hereingebrochen.

Foto: Tokyo Metropolitan Government Building

Das gewaltige Gebäude ist der Verwaltungssitz der Präfektur Tokio. Vor mir ragten die beiden riesigen Türme in den Himmel, und am Fuße des Gebäudes befand sich ein großer Platz mit einer Rasenfläche.

Dort saßen Hunderte Menschen auf Decken und Bänken. Viele hatten es sich gemütlich gemacht und schauten hinauf zum Gebäude.

Zunächst wunderte ich mich.

Doch als ich näher kam, verstand ich.

Jeden Abend gab es hier eine große Show auf der Fassade des Gebäudes, mit Bildern, Lichtern, Blitzen und Musik.

Die Menschen saßen auf dem Rasen und den Bänken und schauten gemeinsam hinauf.

Natürlich blieb auch ich.

Etwa eine halbe Stunde sah ich mir dieses Schauspiel an. Danach wurde es Zeit, endlich nach oben zu fahren.

Der Eintritt war kostenlos, die Schlange nicht besonders lang und schon kurze Zeit später war ich oben.

Vor mir lag Tokio.

Ein unendliches Meer aus Lichtern.

Fotos: Tokio bei Nacht vom Tokyo Metropolitan Government Building

Ich muss allerdings sagen, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich war wieder einmal erst bei Dunkelheit auf einen Aussichtspunkt gefahren.

Ich würde jedem empfehlen, beim ersten Besuch bei Tageslicht nach oben zu fahren. Dann kann man die gewaltigen Ausmaße Tokios wahrscheinlich noch viel besser erkennen.

Doch an diesem Abend sollte mich etwas anderes viel mehr beeindrucken.

Die Atmosphäre dort oben war wunderbar ruhig. Es gab ein schönes Café, Menschen standen an den Fenstern und blickten hinaus, und Kinder freuten sich darüber, so hoch über der Stadt zu sein.

Mitten in diesem riesigen Raum stand ein Flügel.

Um das Instrument herum waren Linien gezogen, und jeder, der wollte, durfte dort für einige Minuten spielen.

Immer wieder setzte sich jemand an den Flügel.

Viele Japaner nutzten die Gelegenheit, für ein paar Minuten auf diesem wunderschönen Instrument zu spielen.

Und dann erklang Musik.

Wunderschöne Melodien und Lieder erfüllten den großen Raum.

Ich blieb stehen und hörte einfach zu.

Foto: Unbekannter Klavierspieler auf dem Tokyo Metropolitan Government Building

Eigentlich war ich wegen der Aussicht hierhergekommen. Doch nun stand ich hoch über Tokio und lauschte den Klängen eines Flügels.

Ich war hin und weg.

Irgendwann machte ich mich wieder auf den Weg.

Fotos: Das Tokyo Metropolitan Government Building auf dem Weg nach Shinjuku

Mein nächstes Ziel war Shinjuku.

Ich beschloss, zu Fuß dorthin zu rollen.

Je näher ich Shinjuku kam, desto lauter wurde der Straßenlärm. Die Menschen wurden mehr, die Lichter heller und die Reklametafeln größer.

Und dann stand ich plötzlich mittendrin.

In Shinjuku.

Fotos: Shinjuku bei Nacht

Ich drehte mich mehrmals um 360 Grad und wusste überhaupt nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte.

Überall leuchtete Werbung. Riesige Reklametafeln bedeckten die Fassaden, und die Straßen brauchten fast keine Laternen mehr, weil die vielen Lichter die gesamte Umgebung erhellten.

Um mich herum waren unzählige junge Menschen. Sie lachten, unterhielten sich und genossen den Abend.

Es war ein tolles Gefühl, mitten in dieser Kulisse zu stehen und all diese Geräusche und Eindrücke auf mich wirken zu lassen.

Es dauerte eine Weile, bis ich mich orientiert hatte.

Und dann stand ich plötzlich vor ihr.

Hoch oben thronte die berühmte 3D-Katze.

Zwischen den Werbeblöcken erschien immer wieder diese riesige Katze. Sie schaute nach unten, spielte, miaute und unterhielt damit die Menschen, die unten auf ihr Erscheinen warteten.

Natürlich blieb auch ich stehen.

Es machte wirklich Spaß, dieser Katze zuzuschauen. Durch die besondere Technik und die Perspektive wirkte sie tatsächlich dreidimensional.

Fast so, als würde eine riesige Katze hoch oben über Shinjuku stehen und auf die Menschen hinunterschauen.

Danach schlenderte ich weiter durch die Straßen, und mein Blick ging immer wieder nach oben.

Denn irgendwo dort zwischen all den Leuchtreklamen und Fassaden musste noch jemand auf mich warten.

Godzilla

Ich suchte eine ganze Weile.

Und dann sah ich ihn.

Hoch über den Dächern von Shinjuku ragte Godzilla mit weit aufgerissenem Maul über die Fassade.

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Ich freute mich riesig.

Da war er wieder.

Godzilla, der mich schon bei meiner Ankunft in Japan am Flughafen begrüßt hatte.

Der inzwischen als Tattoo auf meinem Körper war.

Und nun schaute er hoch über den Dächern von Shinjuku auf die Stadt hinunter.

Ich war sehr zufrieden.

Langsam schlenderte ich weiter durch diese bunte Lichterwelt und ließ die Eindrücke des Tages noch einmal auf mich wirken.

Irgendwann wurde es Zeit, den Heimweg anzutreten. Also begann wieder die Suche nach dem richtigen Eingang, dem richtigen Aufzug und dem Weg hinunter zur U-Bahn.

Es war wieder einmal ein langer und aufregender Tag gewesen.

Unterschiedlicher hätte er kaum sein können.

Am Morgen die Ruhe im Café und später im Tempel mit den zehntausenden Katzen und den Wünschen von Menschen aus aller Welt.

Danach die ruhige Musik des Flügels hoch über Tokio und schließlich das wilde Leben in der Glitzerwelt von Shinjuku.

Als ich im Bett lag und die Augen schloss, leuchteten die vielen Lichter noch immer vor mir.

Irgendwo dazwischen sah ich die riesige Katze.

Und hoch über den Dächern wartete Godzilla.

Dann schlief ich ein.

Gute Nacht.

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21.05. – Ein letzter ruhiger Tag in Tokio

Der letzte Tag in Tokio und in Japan brach an. Morgen würde ich zurückfliegen.

Nach all den Erlebnissen der vergangenen Wochen hatte ich beschlossen, diesen letzten Tag ruhig und besinnlich zu verbringen. Ich frühstückte kurz und fuhr anschließend ins Zentrum von Tokio.

Der Himmel und Tokio waren traurig, dass ich gehen musste, denn es regnete. Es war tatsächlich das erste Mal, seitdem ich vor fast drei Wochen in Japan gelandet war.

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Foto: Links der alte Hauptbahnhof von Tokio

Ich schlenderte noch einmal über die Ginza und ging immer wieder in die wunderschönen Kaufhäuser.

Ich bestaunte die Auslagen, schaute mir die Geschäfte an und freute mich über das Verneigen des Personals, selbst wenn ich nur an ihnen vorbeirollte.

Dabei fühlte ich mich wirklich immer wie ein kleiner König. Majestätisch fühlt man sich eben, wenn man auf diese Weise begrüßt wird.

An diesem Tag wollte ich nichts mehr abarbeiten und keine großen Sehenswürdigkeiten mehr besuchen.

Ich fuhr noch einmal mit meiner Lieblingslinie, der grünen „Yamanote“ mit Ihren modernen grünen Wagen. Ich wollte noch einmal den Klang der Linie und der Stationen hören.

Habe ich überhaupt erwähnt, dass jede Linie ihre eine eigene Melodien hat ? Viele Stationen dieser berühmten Yamanote-Ringlinie z.B. besitzen eigene, hoch wiedererkennbaren Kurztöne und Melodien.

Video: Melodien der JY 01 – Yamanote Linie / JO 19 – JR Yokosuka-Linie

Beispiel: Bahnhof Jiyugaoka: Nutzt bekannte Melodien aus Disney-Filmen.

Beispiele: Bahnhof Ebisu (Tokio): Spielt das Zithersolo aus dem Filmklassiker „Der dritte Mann“.

Ich ließ mir Zeit, schaute mir noch einmal die Architektur an, beobachtete die Menschen und versuchte, möglichst viele Eindrücke fest in meiner Erinnerung abzuspeichern.

Ich wusste schließlich, dass dies mein letzter vollständiger Tag in Japan war.

Ein letztes Mal schlenderte ich über die Kreuzungen von Tokio und hörte die mir so sehr ans Herz gewachsenen Töne und Melodien der Ampeln.

All das würde ich seeeeehr vermissen.

Einen letzten Wunsch hatte ich allerdings noch. Ich wollte mir ein original japanisches Kochbuch kaufen.

Ja, tatsächlich ein Kochbuch auf Japanisch. Lesen konnte ich es natürlich nicht, aber es gab schließlich genügend Möglichkeiten, sich die Texte später übersetzen zu lassen.

Also machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof von Tokio. Auf der nördlichen Seite des Bahnhofs, auf der anderen Straßenseite, befand sich Maruzen, ein wunderschöner großer Buchladen.

Ich ging hinein und begann nach der Abteilung mit den Kochbüchern zu suchen.

Es war gar nicht so einfach, die richtige Stelle zu finden, aber schließlich wurde ich fündig. Vor mir standen Regale voller japanischer Kochbücher, und ich nahm mir viel Zeit, zog immer wieder eines heraus und blätterte darin.

Dabei hatte ich noch immer nicht richtig verinnerlicht, dass japanische Bücher für mich genau andersherum gebunden waren. Immer wieder nahm ich ein Buch in die Hand und begann auf der falschen Seite zu blättern. Ich musste über mich selbst lachen.

Nach gut einer Stunde hatte ich schließlich das passende Kochbuch gefunden und war sehr zufrieden.

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Damit hatte ich auch meinen letzten kleinen Wunsch für diese Reise erfüllt.

Anschließend fuhr ich zurück ins Hotel und begann meinen Koffer zu packen. Er musste einiges mehr aufnehmen als auf dem Hinweg, aber irgendwann hatte ich alles untergebracht.

Nachdem der Koffer verschlossen und sorgfältig verschnürt war, brachte ich ihn schon einmal hinunter zur Rezeption.

Nun war eigentlich alles für meine Abreise vorbereitet.

Trotzdem wollte ich meinen letzten Abend nicht einfach im Hotelzimmer verbringen und schlenderte noch einmal durch die nähere Umgebung.

Erst jetzt bemerkte ich, dass sich nur ungefähr hundert Meter von meinem Hotel entfernt und zwei Querstraßen weiter ein tolles Vergnügungsviertel mit vielen Kneipen und Restaurants befand.

Da hatte ich mehrere Tage in diesem Hotel gewohnt, war kreuz und quer durch Tokio gefahren und entdeckte erst an meinem letzten Abend, was praktisch direkt vor meiner Haustür lag.

Ich schlenderte gemütlich durch die Straßen und schaute mich noch einmal in Ruhe um.

Aus den Restaurants kamen die vertrauten Gerüche der japanischen Küche.

Überall saßen Menschen zusammen, aßen, tranken und genossen ihren Abend.

Ich ließ mir Zeit und versuchte auch diese letzten Eindrücke noch einmal bewusst aufzunehmen.

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Es war kein Tag mit einem großen Abenteuer und keine neue Sehenswürdigkeit wartete mehr auf mich. Ich wollte einfach noch einmal die Atmosphäre genießen, die Menschen beobachten und das Leben in Tokio auf mich wirken lassen.

Irgendwann zu später Stunde hatte ich genug gesehen und machte mich langsam auf den Rückweg zum Hotel.

Morgen würde ich Japan verlassen.

Ich ging in mein Zimmer, legte mich ins Bett und schloss die Augen. Noch einmal dachte ich an diesen ruhigen letzten Tag, an den Regen über Tokio, die Ginza, mein japanisches Kochbuch und die Straßen rund um mein Hotel.

Dann schlief ich ein.

Zum letzten Mal in Japan.

Gute Nacht.

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22.05. – Der Abschied…und warum ich diesen Reisebericht schreibe

Es ist soweit, ich muss gehen. Ich stand um 5:30 Uhr Tokioter Zeit auf. Aß kurz ein kleines Sandwich, welches ich in meinem Lieblings – Konbini am letzten Abend vorab noch gekauft hatte.

Trank noch einen Kaffee. Schaute mich im Zimmer um, ob ich irgendetwas vergessen hatte.

Ich hatte mich entschlossen, mir die Fahrt mit Rucksack und Koffer quer durch Tokio bis zum Flughafen Haneda mit der U-Bahn nicht anzutun.

Ich bestellte mir an der Rezeption ein Taxi und wartete.

Es war kurz nach 6 Uhr und nach 6 Uhr werden die Taxifahrten günstiger, da es keine Nachtfahrt mehr war.

Mein Flug sollte um 9:30 Uhr abheben.

Das Taxi kam schnell, und mit meiner Hilfe war der Rollstuhl schnell verladen.

Ich saß hinten, so wie alle Fahrgäste in Japan und dann ging die Fahrt los.

An den Rückenlehnen der Vordersitze des Fahrers und des Beifahrersitzes waren Monitore angebracht und ich wurde auf der Fahrt mit sehr viel Werbung berieselt.

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Es war sehr ungewöhnlich, den Fahrer auf der rechten Seite sitzen zu sehen.

Diesmal war ich nicht auf den Straßen unten in Tokio oder Osaka unterwegs.

Nein, das Taxi nahm die hochgelegten Mautautobahnen.

Es regnete wieder.

Die Scheiben des Taxis waren leicht beschlagen, der Wischer quietschte und so fuhren wir über eine Hochstraße durch Tokio in Richtung Haneda.

Durch die Regentropfen auf den Scheiben spiegeln sich die Lichter der Leuchtreklamen und zerbrechen in buntem Licht.

Es war voll auf Tokios Straßen und es war, wie gesagt sehr seltsam auf der linken Seite zu fahren.

Die Auffahrten kamen von links.

Der Fahrer schaute sich rechts um, wenn er die Spur wechselte.

Es war alles sehr surreal.

Die Fahrt dauerte ungefähr 35 Minuten.

Da waren wir schon am Flughafen.

Ich stieg schnell aus, bekam den Koffer überreicht und betrat das Gebäude des Flughafens Haneda.

Direkt am Infostand wartete man schon auf mich.

Auch hier hatte ich einen Social-Assistant.

Eine junge Japanerin kam, begrüßte mich mit einer Verneigung, kreuzte dabei die Hände vor ihren Beinen, leicht schüchtern und zurückhaltend war mein Eindruck.

Sie nahm mir meinen Koffer und meinen Rucksack ab, sah sich mein Ticket an und führte mich gleich zum Check-in.

Es war ein besonderer Check-in extra für gehbehinderte Reisende. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Man führte mich wieder lange Gänge entlang in Richtung des Wartebereichs von ANA.

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Diesmal sah ich meinen Godzilla nicht. Es war ein anderer Weg, es war ein anderes Gate.

Ich wartete in der Lounge, es waren dort sehr bequeme Sessel, ich setzte mich, legte die Beine hoch und versuchte ein wenig zu entspannen.

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Ich schaute mich um und sah viele Reisende aus der ganzen Welt, die sich genüsslich am kostenlosen Frühstücksbuffet der Fluglinie ANA bedienten.

Es war soweit: Check-in und Boarding.

Meine Assistenzkraft schob mich die Gangway entlang bis zum Eingang des Flugzeuges.

Das japanische Flugpersonal war – wie immer – sehr freundlich und zuvorkommend.

Ich setzte mich auf einen Spezialrollstuhl über, man zog mich in die Maschine.

Man hatte einen speziellen Platz für mich ausgesucht. Am Gang erste Reihe in einer Dreierreihe.

Der mittlere Platz blieb frei für mein Handgepäck, da ich es nicht oben verstauen konnte.

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Es dauerte nicht lang. Die Türen wurden geschlossen. Die Motoren liefen, die Maschine bewegte sich zurück.

Als wir langsam losrollten, schaute ich aus dem Fenster und sah, wie sich tatsächlich die Mitarbeiter des Bodenpersonals verneigten.

Während wir langsam zur Startbahn rollten, gingen mir noch mal diese drei Wochen durch den Kopf.

Die Menschen, die ich traf, Kimi, den Tätowierer, den jungen Zugbegleiter, der mich für den Fuji-san ans Fenster holte. Der salutierte und sich freute mir damit etwas Schönes gezeigt zu haben, den vielen Menschen, denen ich begegnet bin.

Den Menschen, bei denen wir uns gegenseitig fotografierten.

Das Lachen der Jugendlichen in Shinjuku, Osaka mit den engen Gassen und dem guten Essen.

Die U-Bahnfahrten, die Spaziergänge und die Nächte mit viel Leuchtreklame.

Das japanische Essen wird mir fehlen. Die Freundlichkeit, die Ordnung, die Strukturen, die Sauberkeit und das problemlose Reisen mit dem Rollstuhl in Japan.

All das werde ich vermissen.

Und ich frage mich, werde ich Japan noch einmal wiedersehen?

Wer weiß….

Das Flugzeug hatte die Position erreicht.

Alle waren angeschnallt, die Motoren dröhnten. Wir setzen uns in Bewegung, wir rollten immer schneller, die Vibration nahm zu und mit einmal stiegen wir auf und es wurde ruhiger.

Auf Wiedersehen Japan, auf Wiedersehen Tokio, auf Wiedersehen Osaka vielleicht bis bald!.

Warum ich diesen Reisebericht geschrieben habe

Wenn dieser Reisebericht auch nur einem Menschen die Angst nimmt, nach Japan zu reisen, dann hat sich das Schreiben bereits gelohnt.
Ich bin allein, im Rollstuhl und mit kaum vorhandenen Japanischkenntnissen durch Tokio, Osaka, Nara und Himeji gereist.

Trotzdem habe ich meinen Weg gefunden, mich verständigt, wunderbare Menschen kennengelernt und unvergessliche Momente erlebt.

Deshalb möchte ich allen Mut machen: Wartet nicht darauf, dass irgendwann der perfekte Zeitpunkt kommt. Japan ist ein faszinierendes, freundliches und erstaunlich barrierefreies Reiseland.

Traut euch – alleine, zu zweit oder mit dem Rollstuhl. Ihr werdet mit Erlebnissen belohnt, die ihr nie vergessen werdet.

Vielleicht begegnen wir uns ja eines Tages sogar in Japan

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Ich freue mich über deine Nachricht an:

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Barrierefreiheit in Japan – meine Erfahrungen

Japan hat mich mit seiner Barrierefreiheit und der außergewöhnlichen Hilfsbereitschaft der Menschen positiv überrascht. Deshalb möchte ich hier meine persönlichen Erfahrungen als Rollstuhlfahrer kurz zusammenfassen. Die folgenden Hinweise beruhen ausschließlich auf meinen persönlichen Erfahrungen während meiner Reise durch Tokio, Osaka, Nara und Himeji.

Bahnhöfe und U-Bahnstationen: Überall gibt es Aufzüge und leichte Rampen. Ich selber hatte nur an einer U-Bahnstation Probleme mit einen Aufzug an die Oberfläche zu kommen (es gab keinen), also bin ich einfach eine Station weitergefahren und den Rest zu Fuß gegangen. Das Einsteigen und Aussteigen ist kein Problem, ein kleiner Spalt von ca. 5cm. Man sollte als Rollstuhlfahrer auf die extra für Rollstuhlfahrer vorgesehenen Waggons achten, dort gibt es Stellplätze für Rollis.

Bordsteine und Fußwege: Dort gibt es keinerlei Probleme, alles ist sehr flach angelegt.

Barrierefreie Toiletten: Überall in öffentlichen Gebäuden, Bahnhöfen, große U-Bahnstationen und Kaufhäusern gibt es behindertengerechte Toiletten.

Hotels: etwas schwieriger, auch Doppelzimmer sind sehr klein, aber mit einem normalen Selbstfahrerrollstuhl sollte es klappen (im Vorfeld die Hotels anschreiben und nach Türbreite fragen). Oft gibt es in den Hotels eine Multifunktionale Toilette im Loungebereich (so könnte man sich behelfen). Die WCs in den Zimmern sind oftmals sehr eng (übersetzen in 180 Grad).

Behinderten Ausweise: Leider musste ich die Erfahrung machen, dass der europäische Behindertenausweis in Japan nicht anerkannt wurde.